„Es ist wahr, es scheint viel flüssiger zu sein als irdisches Wasser,“ bestätigte Heinz: „Es fließt einem durch die Finger wie Nebel und rinnt wie Spinnenfaden so dünn an der Haut hinab.“

„Und es bildet gar keine rechten Tropfen,“ fügte Schultze hinzu, „nur so feine Sprühstäubchen, wie der Sprühregen im Nebel.“

John rannte die paar Schritte zum Lagerplatz zurück, ergriff ein dünnes Holzscheit, mit dem er wieder angesprungen kam und das er klatschend in den Bach warf.

Wie ein Springbrunnen spritzte das Wasser in feinverteiltem Staub wohl drei Meter hoch empor. Alle staunten sprachlos dies neue Wunder an. Rieger aber rief:

„Das ist ja gar kein Wasser!“ und er wies auf das Holzstück, das wie ein Stück Blei auf den Grund des Baches gesunken war, wo es liegen blieb.

„Da hört sich aber doch endgültig alle Wissenschaft auf!“ rief Schultze: „Das ist frisches, klares Wasser, aber von einer Leichtigkeit, daß es auf unsern schwerfälligen irdischen Gewässern wie Öl oder Spiritus schwimmen würde; es scheint entsprechend flüchtig zu sein und sehr rasch zu verdunsten; das spüre ich schon an dem starken Prickeln, wenn es auf der Haut trocknet. Lady Flitmore, auf dem Saturn würde Ihre größte Wäsche in der halben Zeit trocknen, als auf unsrer mangelhaften Erde!“

Zu Münchhausens Beruhigung schritt man jetzt zur Bereitung des Frühstücks.

Es war überraschend, wie schnell das Wasser zum Sieden kam. Der Professor prüfte seine Wärme mit einem Thermometer: „Dachte ich’s doch!“ rief er aus: „Bloß 52 Grad! Das Saturnwasser kocht also schon bei dieser geringen Temperatur.“

Hierauf machte er sich an die Untersuchung des Grund und Bodens und löste das Gestein mit einem Pickel, den John aus der Sannah herbeischaffen mußte. Die Steinbrocken, die aus dem Boden gehauen wurden, erinnerten in ihrem Bau an Knochen: sie waren voller Hohlräume, schwammig, in Zellen eingeteilt, mit dünnen, doch sehr widerstandsfähigen Wandungen. Die mehr oder minder großen Kammern waren mit Luft oder Gasen gefüllt, während sich überall durch die größeren zusammenhängenden Felsmassen Wasseradern zogen.

Ein Versuch ergab, daß die Mehrzahl der Steine auf dem Wasser des Baches schwamm, obgleich das Wasser selber schon so leicht war.