Die Folgen zeigten sich auch bald bei allen: an mehr als die notwendigste Tätigkeit war nicht mehr zu denken, da eine furchtbare Mattigkeit und Erschlaffung sich der Ärmsten bemächtigte. Röchelnd und nach Luft schnappend lagen sie umher und überließen sich so viel als möglich der bleiernen Schläfrigkeit, die sie gefangen hielt; denn im Schlaf verbrauchten sie am wenigsten von der kostbaren Luft.
Je mehr sich der Hunger nach Luft steigerte, desto weniger wollte ihnen Essen und Trinken mehr schmecken. Bleich und eingefallen, Gespenstern gleich, schlichen sie durch die Räume, wenn sie sich vom Lager erhoben, suchend, ob nicht irgendwo bessere Luft zu finden sei; aber sie war überall verbraucht und vergiftet.
Nicht mehr von Tag zu Tag, nein, von Stunde zu Stunde steigerten sich jetzt die Qualen, und die Wächter hatten die schwere Pflicht, mit äußerster Willensanspannung den Schlaf zu überwinden, um die erstickenden Genossen rechtzeitig wecken zu können: sonst wäre schließlich niemand mehr aufgewacht!
„Erfinden Sie etwas, um künstlichen Sauerstoff herzustellen oder um die verbrauchte Luft wieder für die Atmung tauglich zu machen,“ keuchte der Kapitän: „Mit mir geht’s zu Ende, Lord!“
Flitmore lächelte schwach und wehmütig und sah nach Mietje, die mit geschlossenen Augen krampfhaft zuckend im Sessel lehnte. „Ja, wenn ich das zu erfinden vermöchte! Hilft uns Gott nicht, so sind wir alle verloren. Aber bald muß die Hilfe kommen: ich habe ja berechnet, daß uns der Sauerstoff bei dem gegenwärtigen Verbrauch noch vier Tage reichen kann; aber ich sehe ein, so geht es nicht weiter, wir brauchen unbedingt bessere Luft, es ist die höchste Zeit. Und so muß die Sparsamkeit ein Ende haben; ich bin entschlossen, den ganzen Rest unsres Vorrats auf die nächsten 24 Stunden zu verteilen. Dann leben wir noch einmal auf, ein letztesmal. Was dann weiter kommt, steht in des Allmächtigen Hand!“
Mit diesen Worten schlich sich der Lord weg, um die Ventile zu öffnen, die den gepreßten Sauerstoff in das einzige noch bewohnte Zimmer strömen lassen sollten.
Die Lady erhob sich wie im Traum und verließ mühsam das Gemach.
Heinz, dem nichts Gutes ahnte, folgte ihr. Er fand sie in einer Stube, in der die beiden Schimpansen erstickend am Boden lagen: man hatte die Affen, so leid es einem tat, entfernen müssen, daß sie nicht auch noch halfen, ihren menschlichen Leidensgefährten das letzte bißchen Luft wegzuatmen.
„Was haben Sie im Sinn?“ fragte Heinz die Lady.
Diese sah ihn müde an: „Was liegt an mir? Es kommt vor allem darauf an, die Männer am Leben zu erhalten, bis Gott ihnen Rettung sendet. Ich will ihnen nicht die letzten Aussichten nehmen.“