„Da sind ja sozusagen zwei Sonnen!“ rief John aufs höchste überrascht, „wenn ich mir erlauben darf, mich nicht wesentlich zu täuschen, was nicht der Fall sein dürfte.“
Alle sahen empor nach den blendenden Tagesgestirnen, die allerdings zu zweit, anscheinend dicht neben einander am Himmel leuchteten.
So merkwürdig dies aussah, lange konnte man nicht hinblicken: die Augen hielten den Glanz nicht aus.
„Das stimmt,“ sagte Schultze: „Alpha Centauri ist ein Doppelstern.“ Und alsbald hielt er einen Vortrag über Doppelsterne, der hier ganz am Platze war.
„Das Vorhandensein solcher Doppelsterne,“ sagte er, „ist erst seit einigen Jahrzehnten bekannt. Allerdings hatte das Fernrohr den Astronomen schon lange enthüllt, daß da, wo man mit bloßem Auge einen einzigen Stern zu sehen vermeint, in Wirklichkeit zwei oder gar mehrere sein können, und der neblige Schimmer der Milchstraße löste sich unter dem Teleskop in dichte Massen zahlloser Sterne auf, so daß Herschel anfangs vermutete, alle Sternnebel müßten sich in genügend starken Instrumenten als solche Sternenhäufungen erweisen. Aber alle diese Sterne erscheinen nur wegen ihrer perspektivischen Lage und unendlichen Entfernung einander so nahe zu sein, daß sie für das bloße Auge zu einem zusammenhängenden Gebilde werden. In Wirklichkeit sind sie durch Himmelweiten von einander getrennt und sind durchaus nicht das, was man Doppelsterne und mehrfache Systeme nennt.
Die wirklichen Doppelsterne sind zwei Sonnen eines Sonnensystems, deren eine die andere umkreist. Bessel war der erste, der im Jahre 1847 verkündigte, Sirius im großen Hunde, sowie Procyon im kleinen Hunde müßten dunkle Begleiter haben.
Zwanzig Jahre später wurde der Begleiter des Sirius, den Bessel durch bloße Berechnung erraten hatte, von Alvon Clark entdeckt. Er schien halb so groß wie Sirius, also 12 bis 15 mal so groß wie unsere Sonne, aber 10000mal lichtschwächer, immerhin noch selbstleuchtend, sonst wäre er unsichtbar geblieben. Seine Entfernung von Sirius ist gleich der des Uranus von unserer Sonne.
Bessel hatte aus den ganz eigentümlichen Bewegungen des Sirius die Umlaufzeit seines Begleiters auf 50 Jahre berechnet; sie wurde denn auch neuerdings mit 50,38 Jahren bestimmt.
Die Doppelsterne“ umkreisen einander meist in sehr langgestreckten Ellipsen. Die Umlaufzeit der Doppelsterne, die durch die sichtbare Veränderung ihrer Lage bestimmt werden konnte, beträgt im Mindestmaß 5,7 Jahre. Doppelsterne mit noch kürzerer Umlaufzeit stehen einander zu nahe, um auch mit den besten Teleskopen noch getrennt gesehen werden zu können.
Hier hat uns denn das Spektroskop neue Enthüllungen gebracht; man sah in den Spektren einiger Sterne periodische Doppellinien auftreten, die mit Sicherheit offenbarten, daß uns hier zwei Körper Licht sandten, von denen sich einer auf uns zu, der andere von uns weg bewegte. Aus der Verschiebung dieser Linien konnte man die Umlaufszeit nach Sekundenkilometern berechnen, selbst ohne die Entfernung der betreffenden Himmelskörper zu kennen.