„Möglich ist alles,“ entgegnete der Professor bestimmt. „Selbst Snyder, der nur an die allmächtige tote Natur und an die Allweisheit ihrer Unvernunft glaubt, kann nicht umhin, zu erklären: „Nur ein Tor könnte glauben, daß im unendlichen Raume die schrankenlos schaffenden Gewalten des Weltalls zur Bildung einer einzigen bewohnten, von einer Sonne erleuchteten Welt geführt hätten.“ Der große Geometer Lambert ging noch weiter und sagte, da uns das Mikroskop offenbare, daß auf der Erde alles bewohnt sei, müsse auch im Weltall alles irgendwie Bewohnbare bewohnt sein.“

„Ja, das Bewohnbare!“ warf Heinz ein: „Das haben wir ja auf dem Mars und Saturn selber gesehen, obgleich auf ersterem die vernünftigen Wesen ausgestorben scheinen, auf letzterem noch nicht vorhanden sein dürften. Aber wir werden doch annehmen müssen, daß auch in den Verhältnissen der unzähligen Planeten unendliche Verschiedenheit herrscht: auf dem einen mag unerträgliche Hitze, auf dem andern unmenschliche Kälte das Leben unmöglich machen; einer kann allzuschroffe klimatische Unterschiede, ein anderer eine ungünstig beschaffene Atmosphäre haben und was dergleichen mehr ist.“

„Gewiß! Das geben wir alles zu,“ meinte Schultze: „Das alles schließt aber das Leben nicht aus, nicht einmal das Vorkommen vernünftiger Wesen. Denken Sie doch daran, wie es schon auf Erden Lebewesen gibt, die ungeheure Kälte- oder Hitzegrade unbeschädigt zu ertragen vermögen. Früher war man der Ansicht, das Vorkommen von Lebewesen in größeren Meerestiefen sei schon infolge des ungeheuren Wasserdrucks unbedingt ausgeschlossen. Heute weiß man, daß ein sehr mannigfaltiges Leben auf dem Meeresgrunde herrscht, und daß die Tiefseegeschöpfe eben in wunderbarer Weise den Bedingungen angepaßt sind, unter denen sich ihr Leben abspielt. So sagt denn auch der eben genannte Lambert, die lebenden Wesen auf den verschiedensten Weltkörpern werden eben auch den dort herrschenden Verhältnissen entsprechend gebaut und eingerichtet sein, und dagegen läßt sich einfach nichts einwenden.“

„Immerhin hat Lambert eine kühne Phantasie entwickelt,“ sagte Flitmore: „Ich will ja gewiß nichts dawider sagen, auch die kühnsten Phantasien können mit der Wirklichkeit zusammentreffen. Er scheint sich etwa gedacht zu haben, daß die Menschen nach dem Tode mit einem Leibe versehen würden, der ihnen das Fortleben auf andern Weltkörpern gestatte, und daß sie dann eben dahin kämen, wo der für sie geeignetste Ort sei. So meinte er zum Beispiel, die Kometen wären der geeignetste Aufenthaltsort für Astronomen und Jahrhunderte müßten ihnen dort sein wie uns kurze Stunden.“

„Unrecht kann ich ihm nicht geben,“ erwiderte der Professor: „Verdanken wir es nicht einem Kometen, daß wir bis in die Fixsternwelt vordringen konnten? Welch ein erhebender Gedanke für einen Sternkundigen, mit einem Kometen die unergründlichen Tiefen des Welltalls in nie endender Fahrt zu durchreisen und immer neue Entdeckungen machen zu können, oft aus nächster Nähe zu schauen, was er auf Erden kaum ahnen konnte!

Gauß wies sogar den Gedanken nicht von der Hand, man könne sich mit den Mondbewohnern in Verkehr setzen, dadurch, daß man durch die Bodenkultur auf einer größeren Ebene der Erde die Figur des pythagoräischen Lehrsatzes darstelle, indem durch breite Streifen hellgelber Kornfelder schwarze Waldvierecke eingerahmt würden. Ja, man vermutete schon im Ernst, die Marsbewohner bemühten sich, uns ähnliche Zeichen zu geben.

Nüchterner zeigt sich Klein, wenn er sagt, wahrscheinlich sei nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Planeten mit vernünftigen Wesen bevölkert; da aber die Zahl der Planeten nach Hunderten von Millionen zählen dürfte, könne dies immerhin eine ganz bedeutende Zahl sein. Er sagt ferner: ‚Viele darunter mögen von Wesen bewohnt sein, die uns selbst in geistiger Beziehung weit überragen. Hier dürfen wir unserer Phantasie frei die Zügel schießen lassen und überzeugt sein, daß die Wissenschaft keinerlei Beweis weder für noch gegen die Richtigkeit eines ihrer Gebilde liefern werde‘.“

„Und dabei ist zu berücksichtigen,“ schaltete Flitmore ein, „daß Klein lediglich solche Weltkörper in Betracht zieht, die menschlichen Wesen wie uns ohne besondere Anpassung die nötigen Lebensbedingungen gewähren würden.“

„Für uns kommen zunächst auch nur solche in Betracht,“ sagte Schultze: „Jedenfalls können wir zur Zeit keinem Planeten einen Besuch abstatten, auf dem wir nicht leben und atmen können, und mag er mit noch so wunderbar angepaßten Lebewesen bevölkert sein, für uns ist es ausgeschlossen, sie kennen zu lernen, so lange es uns an der notwendigen Anpassung fehlt.“

„Höchstens von der Sannah aus könnten wir sie beobachten,“ meinte Heinz.