Schultze rief wahrhaft entsetzt: „Da hört sich doch aber alle und jede Wissenschaft auf! Wenn einer auf Erden etliche Tausend Kilometer weit reist, so darf er darauf schwören, daß er auch nicht ein Sterbenswörtchen der Sprache versteht, die von den Eingeborenen des von ihm erreichten fremden Landes geredet wird, es sei denn, er habe die Sprache mühsam erlernt; und Sie wollen sich mir nichts dir nichts mit Leuten verständigen, die 40 Billionen Kilometer von unserem Planeten entfernt leben?“

Münchhausen schüttelte sich vor Lachen: „Ein köstlicher Scherz!“ rief er. „Merken Sie nicht, Professorchen, daß dieser Erzschalk von Friedung uns zu Narren hält und nur so tut, als ob er täte?“

„Aber dann würden ihm diese Leute doch nicht ernsthaft Rede und Antwort stehen!“ warf Mietje ein.

„Die Sache ist ganz in Ordnung,“ sagte Heinz. „Ich habe zwar selbstverständlich die Sprache dieser Edenbewohner nie gehört noch gelernt, daher kann ich sie auch nicht richtig treffen. Doch kann ich sie immerhin so annähernd reden, um mich verständlich zu machen. Ich sagte ‚we‘ und es heißt ‚wai‘; ich sagte ‚nom‘ und es heißt ‚nuomi‘, in der ersten Person ‚nuoma‘; ich sagte ‚tu‘ und es heißt ‚itu‘; ebenso muß es ‚onde‘ heißen statt ‚ud‘, wie ich sagte. Doch traf ich in der Regel die Konsonanten richtig, so daß ein intelligenter Edenite mich verstehen muß, und bereits lernte ich außer den genannten berichtigten Formen einige neue Wörter: ‚migu‘ heißt ‚ich‘, ‚seit‘ heißt ‚dieser‘, ‚failo‘ aber ‚Sohn‘ und ‚mig‘ ‚mein‘. Wenn ich mit drei Sätzen schon so weit kam, so darf ich hoffen, in wenigen Tagen schon ein wissenschaftliches Gespräch in der klangvollen Sprache Edens mit genügendem Verständnis führen zu können.“

„Na! Was wollen Sie denn nun von diesen Herren erfahren haben?“ fragte der Kapitän, noch stark zweifelnd.

„O, nicht viel, aber immerhin das, was ich zunächst erfragte. Wir haben vor uns Vater und Sohn, ‚Pa onde failo‘; der Vater heißt ‚Gabokol‘, was so viel wie ‚offenes Auge‘ bedeuten dürfte; der Sohn heißt ‚Fliorot‘, was ich mit ‚fliegendes oder flüchtiges Rad‘ erklären möchte. Dies ist vorerst alles!“

„Aber wie zum Kuckuck wollen Sie uns dieses Wunder erklären?“ rief Schultze. „Ich habe große Wunder erlebt, aber dies scheint mir doch das seltsamste von allen! Vierzig Billionen Kilometer, ich sage Ihnen, vierzig Billionen Kilometer trennen die Erde von Eden, und Sie kommen jung und grün von der Erde und reden ohne weiteres die Edeniten an, und Sie werden verstanden und Sie verstehen! Das übersteigt meine Fassungskraft!“

„Na, so grün, wie Sie vermuten, bin ich eben doch nicht, Herr Professor,“ lachte Heinz. „Sehen Sie, die ganze Sache ist die: ich habe das Geheimnis der Entstehung der menschlichen Sprache entdeckt, und nach und nach gelang es mir, alle Lautgesetze zu finden, auf denen die Wortbildungen beruhen. Da es sich um Naturgesetze handelt und nicht um willkürliche Wortbildungen, konnte ich mir sagen, daß überall, wo Wesen sich finden, die ähnlich gebaut sind wie wir Menschen, sie auch ihre Sprache ganz von selber nach den gleichen Gesetzen bilden mußten wie wir Menschen.

Nun redete ich die Edeniten sozusagen in der Ursprache an; ich bildete die Worte aus den Lauten, die für den Begriff bezeichnend sind, den sie bedeuten sollen. Wenn nun die Sprache Edens sich nicht gar zu künstelnd von der Urform entfernte, so mußte ich verstanden werden, und letzteres war denn auch der Fall. Passen Sie auf! Wenn ich sage ‚We nom tu?‘ so begreifen Sie vielleicht nicht gleich, daß ‚nom‘ bedeuten soll ‚heißt‘; denken Sie aber an das französische ‚nommer‘ oder an ‚Name‘, so leuchtet es Ihnen wohl ein, daß ‚We nom tu?‘ besagen soll: ‚Wie heißt du?‘ Die Edeniten sagen nun: ‚Wai nuomi itu?‘ Aber, wie gesagt, die entscheidenden Laute sind ihnen bekannt, so daß sie auch meine mangelhafte Frage begriffen. ‚W‘ ist einmal der Fragelaut: wer, wie, wo, was, wann und so weiter; auf englisch where, why, who und so fort; im Lateinischen und Französischen tritt qu an die Stelle. D oder T, zuweilen S, ist der deutende Laut, also auch der Laut für ‚du, dich‘ und so weiter, er bezeichnet den, die oder das, auf die ich deute; und so könnte ich Ihnen für jeden beliebigen Begriff sagen, welcher Laut dem Menschen ganz unwillkürlich, mit Naturnotwendigkeit in den Mund kommen mußte, wenn er den betreffenden Begriff durch einen Laut ausdrücken wollte. Dies ergibt die Gesetze der Entstehung der Sprache, die ich entdeckte, und nach denen ich die Worte bildete, die von den fremdesten Wesen leicht begriffen werden müssen, falls sie eine menschenähnliche Sprache reden.“

„Ein genialer Gedanke bleibt es immerhin, daß Sie gleich darauf kamen, diese irdischen Kenntnisse in dieser Weise hier auf die Probe zu stellen,“ lobte Flitmore.