„Nein! Davor bewahrte ihn die Gewalt seines Schwungs. Ähnlich ging es mit den Kometen von 1882 und 1883. Sie entwickelten dabei alle eine enorme Helligkeit, ja man sah sie bei Tage dicht neben der Sonne, und der Komet von 1882 verschwand, als er vor die Sonne trat; er war also genau so hell wie sie. Dabei entwickelten jene Kometen Eisendämpfe, ein Beweis, daß auch ein Teil ihrer festen Bestandteile sich unter der Einwirkung der Hitze der Korona in glühende Gase auflöste. Endlich zersprang der Komet von 1882 beim Passieren der Korona in mehrere Stücke.“
„Ein schöner Trost, den Sie uns da geben!“ knurrte der Kapitän.
„Sind der Herr Professor der unmaßgeblichen Ansicht, daß wir in diesen furchtbar anzusehenden Flammenofen trotz der geschwärzten Scheiben mitten hinein plumpsen dürften?“ fragte Rieger ängstlich.
„Nein!“ erwiderte Schultze bestimmt. „Das glaube ich keinesfalls; denn unsre Geschwindigkeit übertrifft die des Kometen von 1843 um weit mehr als das Hundertfache.“
„Aber daß die Sannah in Weißglut gerät oder sich in glühende Dämpfe auflöst, zum mindesten samt uns allen in Stücke zerspringt, das glauben Sie?“ polterte Münchhausen.
„Da unser Weltschiff keine feste, dichte Masse bildet,“ entgegnete der Professor, „scheint es am wahrscheinlichsten, daß es sich in ein Dampfwölkchen auflöst. Offen gestanden, ich halte unsre letzte Stunde für gekommen; doch dürfen Sie mir glauben, wir werden nichts davon spüren, in weniger als einer Sekunde wird alles vorüber sein.“
Flitmore drückte auf einen Knopf und augenblicklich schlossen sich sämtliche Augendeckel der Sannah, das heißt die dicken Schutzplatten legten sich von außen dicht über die Fenster. Gleichzeitig ließ der Lord die elektrische Beleuchtung aufstrahlen und sagte: „Begeben wir uns in den allerinnersten Raum, in den Mittelpunkt der Sannah, in zehn Minuten haben wir die Glutatmosphäre der Sonne erreicht und jagen durch Feuer und Flammen. Dann gnade uns Gott!“
In Eile stürzten alle in den innersten Vorratsraum, den eine einzige elektrische Glühbirne erhellte. Alle Lucken wurden geschlossen, nachdem sie passiert waren.
Hier sprach der Lord ein kurzes, markiges Gebet, eine Bitte um Rettung, zugleich aber auch den Ausdruck der Ergebung in den göttlichen Willen, falls ihr Ende beschlossen sein sollte; das Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit und die Aufnahme aller in das himmlische Reich trug er mit solcher Einfachheit und Glaubensfreudigkeit vor, daß sich alle über die Schrecken des Todes erhoben fühlten und keinerlei Angst mehr empfanden vor dem, was ihnen drohte. Mietje stimmte die beiden letzten Verse des herrlichen Liedes „O Haupt, voll Blut und Wunden“ an, und die andern sangen ergriffen mit. Dann trat Stille ein.
John setzte sich zu Füßen seines Herrn nieder, als wollte er damit zum Ausdruck bringen, wie er als getreuer Diener ihm in den Tod folgen wolle. Mietje lehnte ihr Haupt an ihres Gatten Schulter, Münchhausen faßte kräftig Schultzes Rechte und hielt sie fest. Heliastra schmiegte sich in Heinz’ Arme und fühlte sich geborgen, während ihr junger Gemahl bereit war, mit ihr die Reise in ein besseres Leben anzutreten.