John öffnete die Lucke des Südpolzimmers und sah hinaus. Er war doch neugierig, wo man sich befand. Seinen Herrn hatte er nicht fragen mögen, da dieser von selber nichts gesagt hatte.

Was war das für eine Landschaft? Merkwürdig bekannt kam sie Rieger vor. Aber England war das nicht, noch weniger Deutschland; es konnte nichts andres als Afrika sein!

Da wiegten schlanke Palmen ihre Wedel in der Vollmondnacht, dort dämmerten dichte Bananenhaine und nicht ferne glitzerte der Spiegel eines Sees, an dessen linkem Ufer im Osten eine Hochgebirgslandschaft aufragte.

„Das ist sozusagen nichts andres als der Albert-Edward-Njansa,“ sprach John zu sich selbst, „und dieses Dach in der Nähe zwischen den Baumwipfeln dürfte die Farm des alten Herrn Piet Rijn sein. Nein! Das wäre sozusagen eine Überraschung für meine Lady Mietje und auch für den Herrn Professor und dann erst für die Familie des Herrn Rijn und Fräulein Helene — ach nein! Frau Rijn muß man ja jetzt sagen, Frau Hendrik Rijn! Und für ihren Herrn Gemahl, den lieben Herrn Hendrik! Wenn das wäre! Und die tapfere Zwergprinzessin ist ja wohl auch bei ihnen. Nein! Wie ich mich freuen würde, die kleine schöne Tipekitanga wieder einmal zu sehen!“

Er mußte sich überzeugen und begab sich in das nächste Gemach, das jetzt nordwärts schaute. Richtig! Da ragte die Gletscherkuppe des Ruwenzori gewaltig empor und glänzte im Mondlicht.

Kein Zweifel! Man befand sich unmittelbar in der Besitzung des Buren Piet Rijn an den Ufern des Albert-Edward-Sees! John lächelte vor sich hin; das war ein feiner Gedanke seines Herrn, seinen Schwiegervater aufzusuchen.

In der Farm Piet Rijns regte es sich zu derselben Zeit. Eine junge blühende Frau hatte sich von ihrem Lager erhoben und schaute zum Fenster hinaus.

Sie rieb sich die Augen: was war das für eine ungeheure Kugel, die über die Baumwipfel im Osten emporragte? Wie glitzerte die gewölbte Oberfläche im Mondschein?

Die junge Dame war Sannah, die Tochter des Farmers Piet Rijn, die zur Zeit mit ihrem Gemahl, Doktor Otto Leusohn, einem deutschen Arzt, der sich in Ostafrika niedergelassen hatte, zu Besuch auf der väterlichen Farm weilte.

Sie huschte an das Bett ihres Gatten und weckte ihn mit einem Kuß.