„Nicht wahr, da staunen Sie, stattlicher Hugo“, spöttelte Schultze: „Sie möchte ich an Stelle der Lady sehen, wie leichtfüßig Sie durch den Morast stapfen würden. Daß Sie ja hüpfen können, trotz einem Ballettmädel, haben Sie uns heut Nacht bewiesen, edler Würmlizertreter.“
Jetzt atmeten alle auf; Mietje hatte die Strickleiter erreicht und zog das in den Sumpf gesunkene Ende aus dem Schlamm; aber der hierdurch veranlaßte Aufenthalt auf dem unsicheren Boden sollte ihr verhängnisvoll werden.
Sie stand auf einem dünnen Gewirr verflochtener Lianen und Wurzeln, das alsbald zu sinken begann, wie sie sich bückte und mühsam die Strickleiter aus dem Sumpf zog: eine schwere Arbeit, da Pflanzen und — o Graus! auch dicke Würmer an den Sprossen hingen.
Die Männer am Ufer zogen sofort das Seil an, als sie Mietje sinken sahen; diese aber rief ihnen ein energisches: „Halt, halt!“ zu.
Es wäre eine schlimme Sache für die arme junge Frau gewesen, am Strick durch diesen Morast mit all seinem Wirrwarr geschleift zu werden, und sie wäre sicher in bös zerfetztem und zerschundenem Zustand drüben angekommen. Daran dachte sie jedoch nicht: es war ihr lediglich darum zu tun, so nahe am Ziel den Erfolg ihres gefährlichen Unternehmens nicht in Frage zu stellen.
Bangend sahen ihr die Männer am Ufer zu, bereit, sofort das Seil anzuziehen, sobald Mietje in dringende Lebensgefahr geriete. Sie stak schon bis zu halbem Leibe im Schlamm, als sie endlich die Strickleiter so weit emporgezogen hatte, daß sie bis ans Ufer reichen konnte.
Aber was war das? Sie band ja das Seil los, das ihr den letzten Halt geben sollte.
„Mietje, was tust du? Was fällt dir ein?!“ rief Flitmore mit unverkennbarem Schrecken.
„Das Gescheiteste!“ rief die Lady zurück.
Sie band rasch das Ende des Stricks an einer Sprosse fest und schrie dann hinüber: „Jetzt, schnell! Ziehet kräftig an.“