Von den berühmten Weisen
Dem Volke habt ihr gedient und des Volkes Aberglauben, ihr berühmten Weisen alle!—und nicht der Wahrheit! Und gerade darum zollte man euch Ehrfurcht.
Und darum auch ertrug man euren Unglauben, weil er ein Witz und Umweg war zum Volke. So lässt der Herr seine Sclaven gewähren und ergötzt sich noch an ihrem Übermuthe.
Aber wer dem Volke verhasst ist wie ein Wolf den Hunden: das ist der freie Geist, der Fessel-Feind, der Nicht-Anbeter, der in Wäldern Hausende.
Ihn zu jagen aus seinem Schlupfe—das hiess immer dem Volke „Sinn für das Rechte“ : gegen ihn hetzt es noch immer seine scharfzahnigsten Hunde.
„Denn die Wahrheit ist da: ist das Volk doch da! Wehe, wehe den Suchenden!“—also scholl es von jeher.
Eurem Volke wolltet ihr Recht schaffen in seiner Verehrung: das hiesset ihr „Wille zur Wahrheit,“ ihr berühmten Weisen!
Und euer Herz sprach immer zu sich: „vom Volke kam ich: von dort her kam mir auch Gottes Stimme.“
Hart-nackig und klug, dem Esel gleich, wart ihr immer als des Volkes Fürsprecher.
Und mancher Mächtige, der gut fahren wollte mit dem Volke, spannte vor seine Rosse noch—ein Eselein, einen berühmten Weisen.