Und ihr schautet dem Allen zu? Oh meine Thiere, seid auch ihr grausam? Habt ihr meinem grossen Schmerze zuschaun wollen, wie Menschen thun? Der Mensch nämlich ist das grausamste Thier.
Bei Trauerspielen, Stierkämpfen und Kreuzigungen ist es ihm bisher am wohlsten geworden auf Erden; und als er sich die Hölle erfand, siehe, da war das sein Himmel auf Erden.
Wenn der grosse Mensch schreit—: flugs läuft der kleine hinzu; und die Zunge hängt ihm aus dem Halse vor Lüsternheit. Er aber heisst es sein „Mitleiden.“
Der kleine Mensch, sonderlich der Dichter—wie eifrig klagt er das Leben in Worten an! Hört hin, aber überhört mir die Lust nicht, die in allem Anklagen ist!
Solche Ankläger des Lebens: die überwindet das Leben mit einem Augenblinzeln. „Du liebst mich? sagt die Freche; warte noch ein Wenig, noch habe ich für dich nicht Zeit.“
Der Mensch ist gegen sich selber das grausamste Thier; und bei Allem, was sich „Sünder“ und „Kreuzträger“ und „Büsser“ heisst, überhört mir die Wollust nicht, die in diesem Klagen und Anklagen ist!
Und ich selber—will ich damit des Menschen Ankläger sein? Ach, meine Thiere, Das allein lernte ich bisher, dass dem Menschen sein Bösestes nöthig ist zu seinem Besten,—
—dass alles Böseste seine beste Kraft ist und der härteste Stein dem höchsten Schaffenden; und dass der Mensch besser und böser werden muss: -
Nicht an diess Marterholz war ich geheftet, dass ich weiss: der Mensch ist böse,—sondern ich schrie, wie noch Niemand geschrien hat:
„Ach dass sein Bösestes so gar klein ist! Ach dass sein Bestes so gar klein ist!“