—ist der Wind nicht ein Hund? Er winselt, er kläfft, er heult. Ach! Ach! wie sie seufzt! wie sie lacht, wie sie röchelt und keucht, die Mitternacht!
Wie sie eben nüchtern spricht, diese trunkene Dichterin! sie übertrat wohl ihre Trunkenheit? sie wurde überwach? sie käut zurück?
—ihr Weh käut sie zurück, im Traume, die alte tiefe Mitternacht, und mehr noch ihre Lust. Lust nämlich, wenn schon Weh tief ist: Lust ist tiefer noch als Herzeleid.
8.
Du Weinstock! Was preisest du mich? Ich schnitt dich doch! Ich bin grausam, du blutest—: was will dein Lob meiner trunkenen Grausamkeit?
„Was vollkommen ward, alles Reife—will sterben!“ so redest du. Gesegnet, gesegnet sei das Winzermesser! Aber alles Unreife will leben: wehe!
Weh spricht: „Vergeh! Weg, du Wehe!“ Aber Alles, was leidet, will leben, dass es reif werde und lustig und sehnsüchtig,
—sehnsüchtig nach Fernerem, Höherem, Hellerem. „Ich will Erben, so spricht Alles, was leidet, ich will Kinder, ich will nicht mich,“—
Lust aber will nicht Erben, nicht Kinder,—Lust will sich selber, will Ewigkeit, will Wiederkunft, will Alles-sich-ewig-gleich.
Weh spricht: „Brich, blute, Herz! Wandle, Bein! Flügel, flieg! Hinan! Hinauf! Schmerz!“ Wohlan! Wohlauf! Oh mein altes Herz: Weh spricht: „vergeh!“