296.

Widerspruch gegen die angeblichen „Tatsachen des Bewußtseins“. Die Beobachtung ist tausendfach schwieriger, der Irrtum vielleicht Bedingung der Beobachtung überhaupt.

297.

Kritik der neuen Philosophie: fehlerhafter Ausgangspunkt, als ob es „Tatsachen des Bewußtseins“ gäbe – und keinen Phänomenalismus in der Selbstbeobachtung.

298.

„Bewußtsein“ – inwiefern die vorgestellte Vorstellung, der vorgestellte Wille, das vorgestellte Gefühl (das uns allein bekannte) ganz oberflächlich ist! „Erscheinung“ auch unsre innere Welt!

299.

Der Phänomenalismus der „inneren Welt“. Die chronologische Umdrehung, so daß die Ursache später ins Bewußtsein tritt als die Wirkung. – Wir haben gelernt, daß der Schmerz an eine Stelle des Leibes projiziert wird, ohne dort seinen Sitz zu haben – : wir haben gelernt, daß die Sinnesempfindung, welche man naiv als bedingt durch die Außenwelt ansetzt, vielmehr durch die Innenwelt bedingt ist: daß die eigentliche Aktion der Außenwelt immer unbewußt verläuft..... Das Stück Außenwelt, das uns bewußt wird, ist nachgeboren nach der Wirkung, die von außen auf uns geübt ist, ist nachträglich projiziert als deren „Ursache“....

In dem Phänomenalismus der „innern Welt“ kehren wir die Chronologie von Ursache und Wirkung um. Die Grundtatsache der „inneren Erfahrung“ ist, daß die Ursache imaginiert wird, nachdem die Wirkung erfolgt ist.... Dasselbe gilt auch von der Abfolge der Gedanken: – wir suchen den Grund zu einem Gedanken, bevor er uns noch bewußt ist: und dann tritt zuerst der Grund und dann dessen Folge ins Bewußtsein.... Unser ganzes Träumen ist die Auslegung von Gesamtgefühlen auf mögliche Ursachen: und zwar so, daß ein Zustand erst bewußt wird, wenn die dazu erfundene Kausalitätskette ins Bewußtsein getreten ist.