Grundlösung. – Wir glauben an die Vernunft: diese aber ist die Philosophie der grauen Begriffe. Die Sprache ist auf die allernaivsten Vorurteile hin gebaut.
Nun lesen wir Disharmonien und Probleme in die Dinge hinein, weil wir nur in der sprachlichen Form denken, – somit die „ewige Wahrheit“ der „Vernunft“ glauben (zum Beispiel Subjekt, Prädikat usw.).
Wir hören auf zu denken, wenn wir es nicht in dem sprachlichen Zwange tun wollen, wir langen gerade noch bei dem Zweifel an, hier eine Grenze als Grenze zu sehen.
Das vernünftige Denken ist ein Interpretieren nach einem Schema, welches wir nicht abwerfen können.
345.
Der ganze Erkenntnisapparat ist ein Abstraktions- und Simplifikationsapparat – nicht auf Erkenntnis gerichtet, sondern auf Bemächtigung der Dinge: „Zweck“ und „Mittel“ sind so fern vom Wesen wie die „Begriffe“. Mit „Zweck“ und „Mittel“ bemächtigt man sich des Prozesses (– man erfindet einen Prozeß, der faßbar ist), mit „Begriffen“ aber der „Dinge“, welche den Prozeß machen.
346.
Die erfinderische Kraft, welche Kategorien erdichtet hat, arbeitete im Dienst des Bedürfnisses, nämlich von Sicherheit, von schneller Verständlichkeit auf Grund von Zeichen und Klängen, von Abkürzungsmitteln: – es handelt sich nicht um metaphysische Wahrheiten bei „Substanz“, „Subjekt“, „Objekt“, „Sein“, „Werden“. – Die Mächtigen sind es, welche die Namen der Dinge zum Gesetz gemacht haben, und unter den Mächtigen sind es die größten Abstraktionskünstler, die die Kategorien geschaffen haben.