363.

Die Auslegung eines Geschehens als entweder Tun oder Leiden (– also jedes Tun ein Leiden) sagt: jede Veränderung, jedes Anderswerden setzt einen Urheber voraus und einen, an dem „verändert“ wird.

364.

Unsre Unart, ein Erinnerungszeichen, eine abkürzende Formel als Wesen zu nehmen, schließlich als Ursache, zum Beispiel vom Blitz zu sagen: „er leuchtet“. Oder gar das Wörtchen „ich“. Eine Art von Perspektive im Sehen wieder als Ursache des Sehens selbst zu setzen: das war das Kunststück in der Erfindung des „Subjekts“, des „Ichs“!

365.

Ich glaube an den absoluten Raum, als Substrat der Kraft: diese begrenzt und gestaltet. Die Zeit ewig. Aber an sich gibt es nicht Raum, noch Zeit. „Veränderungen“ sind nur Erscheinungen (oder Sinnesvorgänge für uns); wenn wir zwischen diesen noch so regelmäßige Wiederkehr ansetzen, so ist damit nichts begründet als eben diese Tatsache, daß es immer so geschehen ist. Das Gefühl, daß das post hoc ein propter hoc ist, ist leicht als Mißverständnis abzuleiten; es ist begreiflich. Aber Erscheinungen können nicht „Ursachen“ sein!

366.

„Wille zur Macht“ und Kausalismus. – Psychologisch nachgerechnet, ist der Begriff „Ursache“ unser Machtgefühl vom sogenannten Wollen, – unser Begriff „Wirkung“ der Aberglaube, daß dies Machtgefühl die Macht selbst sei, welche bewegt....

Ein Zustand, der ein Geschehen begleitet und schon eine Wirkung des Geschehens ist, wird projiziert als „zureichender Grund“ desselben; – das Spannungsverhältnis unsres Machtgefühls (die Lust als Gefühl der Macht), des überwundenen Widerstandes – sind das Illusionen? –