Aber es gibt kein „anderes“, kein „wahres“, kein wesentliches Sein, – damit würde eine Welt ohne Aktion und Reaktion ausgedrückt sein....
Der Gegensatz der scheinbaren Welt und der wahren Welt reduziert sich auf den Gegensatz „Welt“ und „Nichts“ –
385.
A.
Ich sehe mit Erstaunen, daß die Wissenschaft sich heute resigniert, auf die scheinbare Welt angewiesen zu sein: eine wahre Welt – sie mag sein, wie sie will –, gewiß haben wir kein Organ der Erkenntnis für sie.
Hier dürfen wir nun schon fragen: mit welchem Organ der Erkenntnis setzt man auch diesen Gegensatz nur an?....
Damit, daß eine Welt, die unsern Organen zugänglich ist, auch als abhängig von diesen Organen verstanden wird, damit, daß wir eine Welt als subjektiv bedingt verstehen, damit ist nicht ausgedrückt, daß eine objektive Welt überhaupt möglich ist. Wer zwingt uns, zu denken, daß die Subjektivität real, essentiell ist?
Das „An sich“ ist sogar eine widersinnige Konzeption: eine „Beschaffenheit an sich“ ist Unsinn: wir haben den Begriff „Sein“, „Ding“ immer nur als Relationsbegriff....
Das Schlimme ist, daß mit dem alten Gegensatz „scheinbar“ und „wahr“ sich das korrelative Werturteil fortgepflanzt hat: „gering an Wert“ und „absolut wertvoll“.
Die scheinbare Welt gilt uns nicht als eine „wertvolle“ Welt; der Schein soll eine Instanz gegen den obersten Wert sein. Wertvoll an sich kann nur eine „wahre“ Welt sein....