Zukünftiges.Gegen die Romantik der großen „Passion“. – Zu begreifen, wie zu jedem „klassischen“ Geschmack ein Quantum Kälte, Luzidität, Härte hinzugehört: Logik vor allem, Glück in der Geistigkeit, „drei Einheiten“, Konzentration, Haß gegen Gefühl, Gemüt, esprit, Haß gegen das Vielfache, Unsichere, Schweifende, Ahnende so gut als gegen das Kurze, Spitze, Hübsche, Gütige. Man soll nicht mit künstlerischen Formeln spielen: man soll das Leben umschaffen, daß es sich nachher formulieren muß.

Es ist eine heitere Komödie, über die erst jetzt wir lachen lernen, die wir jetzt erst sehen: daß die Zeitgenossen Herders, Winckelmanns, Goethes und Hegels in Anspruch nahmen, das klassische Ideal wieder entdeckt zu haben.... und zu gleicher Zeit Shakespeare. – Und dasselbe Geschlecht hatte sich von der klassischen Schule der Franzosen auf schnöde Art losgesagt! als ob nicht das Wesentliche so gut hier- wie dorther hätte gelernt werden können!.... Aber man wollte die „Natur“, die „Natürlichkeit“: o Stumpfsinn! Man glaubte, die Klassizität sei eine Art Natürlichkeit!

Ohne Vorurteil und Weichlichkeit zu Ende denken, auf welchem Boden ein klassischer Geschmack wachsen kann. Verhärtung, Vereinfachung, Verstärkung, Verböserung des Menschen: so gehört es zusammen. Die logisch-psychologische Vereinfachung. Die Verachtung des Details, des Komplexen, des Ungewissen.

Die Romantiker in Deutschland protestierten nicht gegen den Klassizismus, sondern gegen Vernunft, Aufklärung, Geschmack, achtzehntes Jahrhundert.

Die Sensibilität der romantisch-Wagnerschen Musik: Gegensatz der klassischen Sensibilität.

Der Wille zur Einheit (weil die Einheit tyrannisiert: nämlich die Zuhörer, Zuschauer), aber die Unfähigkeit, sich in der Hauptsache zu tyrannisieren: nämlich in Hinsicht auf das Werk selbst (auf Verzichtleisten, Kürzen, Klären, Vereinfachen). Die Überwältigung durch Massen (Wagner, Victor Hugo, Zola, Taine).

543.

Der Künstlerphilosoph. Höherer Begriff der Kunst. Ob der Mensch sich so fern stellen kann von den andern Menschen, um an ihnen zu gestalten? (– Vorübungen: 1. der Sich-selbst-Gestaltende, der Einsiedler; 2. der bisherige Künstler als der kleine Vollender an einem Stoffe.)

Viertes Buch.
Zucht und Züchtung.