618.
Gesundheit und Krankhaftigkeit: man sei vorsichtig! Der Maßstab bleibt die Effloreszenz des Leibes, die Sprungkraft, Mut und Lustigkeit des Geistes – aber natürlich auch, wieviel von Krankhaftem er auf sich nehmen und überwinden kann, – gesund machen kann. Das, woran die zarteren Menschen zugrunde gehen würden, gehört zu den Stimulansmitteln der großen Gesundheit.
619.
Die Lehre μηδὲν ἄγαν wendet sich an Menschen mit überströmender Kraft, – nicht an die Mittelmäßigen. Die ἐγκράτεια und ἄσκησις ist nur eine Stufe der Höhe: höher steht die „goldene Natur“.
„Du sollst“ – unbedingter Gehorsam bei Stoikern, in den Orden des Christentums und der Araber, in der Philosophie Kants (es ist gleichgültig, ob einem Oberen oder einem Begriff).
Höher als „du sollst“ steht: „Ich will“ (die Heroen); höher als „ich will“ steht: „Ich bin“ (die Götter der Griechen).
Die barbarischen Götter drücken nichts von der Lust am Maß aus, – sind weder einfach, noch leicht, noch maßvoll.
620.
Wie sich die aristokratische Welt immer mehr selber schröpft und schwach macht! Vermöge ihrer noblen Instinkte wirft sie ihre Vorrechte weg, und vermöge ihrer verfeinerten Überkultur interessiert sie sich für das Volk, die Schwachen, die Armen, die Poesie des Kleinen usw.