Die tief Verwundeten haben das olympische Lachen; man hat nur, was man nötig hat.

Es dauert zehn Jahre schon: kein Laut mehr erreicht mich – ein Land ohne Regen. Man muß viel Menschlichkeit übrig haben, um in der Dürre nicht zu verschmachten.

652.

Ersatz der Moral durch den Willen zu unserem Ziele, und folglich zu dessen Mitteln.

653.

Es bedarf einer Lehre, stark genug, um züchtend zu wirken: stärkend für die Starken, lähmend und zerbrechend für die Weltmüden.

Die Vernichtung der verfallenden Rassen. Verfall Europas. – Die Vernichtung der sklavenhaften Wertschätzungen. – Die Herrschaft über die Erde als Mittel zur Erzeugung eines höheren Typus. – Die Vernichtung der Tartüfferie, welche „Moral“ heißt (das Christentum als eine hysterische Art von Ehrlichkeit hierin: Augustin). – Die Vernichtung des suffrage universel: das heißt des Systems, vermöge dessen die niedrigsten Naturen sich als Gesetz den höheren vorschreiben. – Die Vernichtung der Mittelmäßigkeit und ihrer Geltung. (Die Einseitigen, Einzelne – Völker; Fülle der Natur zu erstreben durch Paarung von Gegensätzen: Rassenmischungen dazu.) – Der neue Mut – keine apriorischen Wahrheiten (solche suchten die an Glauben Gewöhnten!), sondern freie Unterordnung unter einen herrschenden Gedanken, der seine Zeit hat, zum Beispiel Zeit als Eigenschaft des Raumes usw.

654.

– Und wie viele neue Götter sind noch möglich! Mir selber, in dem der religiöse, das heißt gottbildende, Instinkt mitunter zur Unzeit lebendig wird: wie anders, wie verschieden hat sich mir jedesmal das Göttliche offenbart!... So vieles Seltsame ging schon an mir vorüber in jenen zeitlosen Augenblicken, die ins Leben herein wie aus dem Monde fallen, wo man schlechterdings nicht mehr weiß, wie alt man schon ist und wie jung man noch sein wird.... Ich würde nicht zweifeln, daß es viele Arten Götter gibt.... Es fehlt nicht an solchen, aus denen man einen gewissen Halkyonismus und Leichtsinn nicht hinwegdenken darf.... Die leichten Füße gehören vielleicht selbst zum Begriff „Gott“.... Ist es nötig, auszuführen, daß ein Gott sich mit Vorliebe jenseits alles Biedermännischen und Vernunftgemäßen zu halten weiß? jenseits auch, unter uns gesagt, von Gut und Böse? Er hat die Aussicht frei, – mit Goethe zu reden. – Und um für diesen Fall die nicht genug zu schätzende Autorität Zarathustras anzurufen: Zarathustra geht so weit, von sich zu bezeugen, „ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde“....

Nochmals gesagt: wie viele neue Götter sind noch möglich! – Zarathustra selbst freilich ist bloß ein alter Atheist: der glaubt weder an alte noch neue Götter. Zarathustra sagt, er würde –; aber Zarathustra wird nicht.... Man verstehe ihn recht.