Die Tetracyclicae haben also nur vier regelmäßig miteinander alternierende Blütenwirtel aufzuweisen. Sie lassen sich nach der Stellung des Fruchtknotens in zwei Gruppen von Ordnungen zerlegen, entweder ist der Fruchtknoten oberständig, hierher gehören die Ordnungen der Contortae, Tubiflorae und Personatae. Alle diese Ordnungen stimmen auch darin überein, daß der Fruchtknoten aus zwei Fruchtblättern besteht. Die Ordnungen mit unterständigem Fruchtknoten sind die Rubiinae und die den Rubiinae nahestehenden Dipsacaceae, die von den Synandrae (Campanulaceae-Compositae) getrennt werden. Diese bleiben in der Hauptreihe; die mit den Rubiinae endende Abzweigung setzt ebenso wie die einzige pentazyklische Ordnung der Diospyrinae an die Cucurbitaceae als Abzweigung an. Die Zahl der durchweg unterständigen Fruchtblätter ist bei der Mehrzahl der Rubiinae zwei, Cucurbitaceae, Cuprifoliaceae und Valerianaceae besitzen drei, die Campanulaceae zwei oder fünf und Dipsacaceae und Compositae nur ein Fruchtblatt.
Nachdem so einzelne gemeinsame Merkmale herausgefunden sind, sollen die Ordnungen nach ihren Familien besprochen werden.
Fig. 745. Oleaceae. Diagramm (Syringa). Nach F. NOLL. Fig. 746. Olea europaea mit Früchten. 1⁄2 nat. Gr. — Offizinell. Fig. 747. Olea europaea. A Ausgebreitete Krone. B Kelch und Fruchtknoten im Längsschnitt. Vergr. Nach ENGLER-PRANTL. Fig. 748. Olea europaea. Steinfrucht.
Die 2. Ordnung, Contortae,
umfaßt Pflanzen mit dekussierten, meist einfachen Blättern, durchweg strahligen Blüten, deren Krone in der Knospenlage häufig gedreht und deren Andröceum der Krone angewachsen ist.
Die 1. Familie der Oleaceen ist an der Zweizahl des Andröceums leicht zu erkennen; die Krone ist meist vierzipfelig, wie das Diagramm von Syringa zeigt (Fig. 745 ). Neben Ligustrum, Jasminum, Forsythia und Syringa ist Olea europaea, der Ölbaum oder die Olive, die wichtigste Pflanze der Familie (Fig. 746 ). Im Mittelmeergebiete heimisch, wird sie hier auch vorzugsweise kultiviert. Blüten und Früchte entsprechen dem Familientypus (Fig. 747 ). Die Steinfrucht enthält sowohl im Fruchtfleisch wie im Endosperm des Samens fettes Öl (Fig. 748 ). Vom Familientypus weicht durch gefiederte Blätter die Esche, Fraxinus, ab. Fraxinus excelsior mit anemophilen Blüten blüht vor der Belaubung, Fr. Ornus, die in Sizilien zur Mannagewinnung kultivierte Bergesche oder Mannaesche, hat ansehnliche gipfelständige Infloreszenzen, deren Einzelblüten doppeltes Perianth mit tiefgespaltener weißer Krone besitzen. Es sind neben Zwitterblüten (Fig. 749 ) rein weibliche schwarze Blüten vorhanden; die Pflanze ist polygam. Fig. 749. Fraxinus Ornus. Einzelblüte und Frucht. — Offizinell. Fig. 750. Strychnos nux vomica. 1⁄2 nat. Gr. Frucht und Samen, Querschnitte durch beide. — Offizinell und giftig. Fig. 751. Gentiana lutea. a und b Blütenknospe mit Kelch ( a ) und der gedrehten Krone ( b ). Nat. Gr. c Fruchtknoten im Querschnitte, vergr. Nach BERG und SCHMIDT. — Offizinell. Fig. 752. Vinca minor. 2⁄3 nat. Gr. Offizinell ist Oleum Olivarum (Pharm. germ., austr., helv.) von der Olive und Manna (ibidem) von der Mannaesche.
Die 2. kleine Familie der Contortae, die Loganiaceae[492], ist nur wegen der wichtigen Gift- und offizinellen Pflanze Strychnos nux vomica (Fig. 750 ) zu erwähnen, die auch das Pfeilgift der Malayen liefert; aus anderen Strychnos -Arten wird das Curare Südamerikas gewonnen; ruminiertes Endosperm bei Spigelia.
Offizinell: Semen Strychni (Pharm. germ., austr., helv.) und Radix Gelsemii (Pharm. germ., austr., helv.) von Gelsemium nitidum.
Wichtiger ist die 3. Familie der Ordnung, die Gentianaceae, durch einfächerigen Fruchtknoten kenntlich, mit deutlich gedrehter Krone in der Knospe (Fig. 751 ). Einheimisch ist die Gattung Gentiana mit zahlreichen Arten, deren lebhaft, meist blau gefärbte große Blüten ein Schmuck der Alpenwiesen sind. Der umstrittene Saisondimorphismus soll durch Entwicklung nahe verwandter Formen, deren eine vor dem ersten Wiesenschnitt blüht und fruchtet, während die andere ihre Blütezeit nach dem Schnitt hat, an Gentiana -Arten[493] gute Bestätigung finden.
Fig. 753. Nerium Oleander. 1⁄2 nat. Gr. — Giftig.