»Na, dann gib’s zum besten!«

»Bei uns im Norden, da steht früh um achte ein kleiner Junge mit der Mappe auf dem Rücken an der Bordschwelle. Und der Junge heult! Da kommt eine Frau und fragt ihn: ›Junge, warum heulst du denn?‹ – ›Ja,‹ sagt er da, ›meine Mutter hat gesagt, wenn ich über den Damm gehen will, soll ich erst die Wagen vorbeilassen. Und nun kommt gar keiner!‹«

Der Doef hat kein Erzählertalent; aber die Sache, die sich der Berliner ja immer plastisch vorstellt, ist an sich spaßig genug. Und das Lachen sitzt heute so locker!

Mitten drin in diesem Lachen gibt’s einen Ruck, so daß alle erschrocken aufspringen: der kleine Heerhaufen nebenan ist mit lautem Aufschrei auseinandergeflogen. Die einen, welche sich nicht früh genug aufgerafft haben, kriechen blitzschnell auf allen vieren fort, und dann erst richten sie sich auf und fangen an zu lachen. Aber auch so zu lachen! Und die andern, die schon stehen, fallen wieder lang hin und wälzen sich auch vor Lachen und können da gar kein Ende finden. In der Mitte dieses soeben noch so idyllischen Schäferbildes aber, das jetzt freilich einer Szene aus dem Tollhause gleicht, da liegt ruhig der dicke Puntz und blinzelt aus seinen kleinen Schweinsäugelein ganz erschrocken um sich. In seiner Verlegenheit – denn er ist in großer Verlegenheit! Man sieht es ihm an! – in seiner Verlegenheit glotzt er dann auf die weißblinkende Fläche des Wannsees hinaus, wo doch gar nichts zu sehen ist. Und trotzdem er – nun schon eine geschlagene Minute lang – noch kein Wort gesprochen, ist er dennoch der Urheber des ganzen Aufstandes.

Da kommen die andern von drüben herübergesprungen: »Was ist denn los?« – »Warum lachst du denn so, Köckeritz?« – »Warum lacht ihr denn? Mensch antworte doch!« – »Lache doch nicht so!« – »Warum lachst du denn?«

So geht es durcheinander; eine vernünftige Antwort jedoch ist aus keinem herauszubekommen, bis sich schließlich Doktor Fuchs an den Dicken wendet. Der tut ja zwar auch ganz sonderbar, aber immerhin scheint er noch der einzig ruhige und vernünftige Mensch in der ganzen Gesellschaft zu sein.

»Na, Dicker, du bist doch bei klarem Verstande! Was habt ihr denn da alle miteinander?«

Langsam und schwerfällig richtet sich der Dicke auf, und dabei sagt er bedächtig und mit beinahe weinerlichem Gesicht: »Ja, ich bitte um Entschuldigung, Herr Doktor! Aber die fingen auf einmal alle an, an mir herumzustreicheln und herumzuklopfen, und dann kitzelten sie mich alle und sagten immer, sie wären die Ameisen und ich eine Blattlaus. Und da – habe ich – da bin ich –«

Der Dicke hat das Gesicht wie mit Blut übergossen. Er kann gar nicht mehr weitersprechen und stottert jetzt nur noch einmal ums andere: »Ich – ich – ich –«

»Ja« – jetzt hat sich der kleine Köckeritz so weit erholt – »Herr Doktor, es ist ja gar nicht so schlimm!« Aber er muß doch wieder lachen und prustet plötzlich heraus: »Dem ist nur ein bißchen das Fell geplatzt!«