Einige setzten lächelnd an; es tat’s aber schließlich doch keiner.
Gerade in solcher Pause aber meldete sich der Bonin: »Herr Doktor! Ich muß nachher zum Prediger!«
»Schön! Freut mich!«
Der Junge lächelt darauf etwas verlegen und meint zögernd: »Ja, ich weiß aber nicht! Wir gehen doch früher weg! Wir wissen nicht, ob wir nachmittag dann wieder hermüssen!«
Jetzt scheint der Ordinarius zu verstehen. »Ach so!« sagt er ganz gewichtig. »Na, selbstverständlich! Das möchtest du nun wissen! Na, dann komm mal vor! Dann werde ich’s dir ins Ohr sagen!«
Ei, wie der Junge da vorsprang und sein Ohr hinhielt! Und Doktor Fuchs, der selber ja nur so groß ist, wie Bonin, der beugt sich ganz geheimnisvoll zu ihm vor, als wenn er ihm das wirklich auch nur ganz leise zuflüstern wollte. Die andern Jungen aber, die spannen die Ohren und recken den Kopf hoch und möchten doch auch etwas aufschnappen.
Ja, aufgepaßt! Jetzt öffnet Dr. Fuchs den Mund, und – während die ganze Klasse den Atem anhält – brüllt er dem Bonin entgegen: »Wenn ich dir das sage, dann wissen das zweie!«
Der Junge ist ganz erschrocken zurückgeprallt und will sich eben wieder aufrichten, während im selben Augenblicke die Klasse in lauten Jubel ausbricht. Da aber öffnet sich auch plötzlich die Tür. Der Schuldiener erscheint auf der Schwelle. Er und der Direktor, sie klopfen beide nicht an, wenn sie in die Klasse kommen. Die Jungen sind also darauf geeicht, in solchem Falle auch den Direktor erscheinen zu sehen. Sie warten gewöhnlich auch erst einen kleinen Moment ab und richten sich mit dem Gesicht und mit dem ganzen Menschen darnach. Heute aber sind sie ungewöhnlich schnell dahintergekommen, wer sich da durch die Tür in die Klasse geschoben hat. Der Jubel über den übertölpelten Bonin geht sofort in den andern über, in den Jubel nämlich über den Zettel, den der Schuldiener in der Hand hält und eben, süßsauer lächelnd, dem Ordinarius präsentiert.
Der nickt nur und verkündet dann: »Also, Jungs, um 1 Uhr wird heute der Unterricht geschlossen! Ihr habt ja schon um 12 Uhr Schluß! Nachmittag ist natürlich frei!«
Den Schuldiener sieht man heute gnädig an. »Na kann det olle Krokodil sprengen, so ville et will.« So hat Fritze Köhn leise gesagt, und so denken mit ihm alle die, die das gehört haben. Nicht lange dauert es auch, da läutet es. Ein kurzes Gebet, und draußen sind die Jungen, frisch und munter, als lockte das schönste Frühlingswetter und nicht die Dunst- und Gluthitze der Berliner Asphaltstraßen. –