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Nach einer halben Stunde trat der alte Graf in das Boudoir seiner Frau.
»Wie wäre es, mein Herzchen, soll man nicht für unseren teuren Gast den Samowar aufstellen lassen?« fragte er, seiner Frau die Wange tätschelnd. –
Nun sehen Sie, Kind, wie finden Sie das? Es ist ja wahr, – es ist ein wenig frei, das läßt sich nicht leugnen, aber dafür doch schwungvoll und gut geschrieben. Was gut ist, ist gut! Aber nein, ich muß Ihnen doch noch ein Stückchen aus der Novelle »Jermak und Suleika« abschreiben.
Stellen Sie sich vor, Kind, daß der Kosak Jermak, der tollkühne Eroberer Sibiriens, in Suleika, die Tochter des sibirischen Herrschers Kutschum, die er gefangen genommen, verliebt ist. Die Sache spielt also gerade in der Zeit, da Iwan der Schreckliche herrschte – wie Sie sehen. Hier schreibe ich Ihnen nun ein Gespräch zwischen Jermak und Suleika ab:
– »Du liebst mich, Suleika? O, wiederhole, wiederhole es!…«
»Ich liebe dich, Jermak!« flüsterte Suleika.
»Himmel und Erde, habt Dank! Ich bin glücklich! Ihr habt mir alles gegeben, alles, wonach mein wilder Geist seit meinen Jünglingsjahren strebte! Also hierher hast du mich geführt, mein Leitstern, über den steinernen Gürtel des Ural! Der ganzen Welt werde ich meine Suleika zeigen, und die Menschen, diese wilden Ungeheuer, werden es nicht wagen, mich zu beschuldigen! O, wenn sie doch diese geheimen Leiden ihrer zärtlichen Seele verständen, wenn sie, wie ich, in einer Träne meiner Suleika eine ganze Welt von Poesie zu erblicken wüßten! O, laß mich mit Küssen diese Träne trinken, diesen himmlischen Tautropfen … du himmlisches Wesen!«
»Jermak,« sagte Suleika, »die Welt ist böse, die Menschen sind ungerecht! Sie werden uns verfolgen und verurteilen, mein Liebster! Was soll das arme Mädchen, das auf den heimatlichen Schneefeldern Sibiriens in der Jurte des Vaters aufgewachsen ist, dort in eurer kalten, eisigen, seelenlosen, eigennützigen Welt anfangen? Die Menschen werden mich nicht verstehen, mein Geliebter, mein Ersehnter!«
»Dann sollen sie Kosakensäbel kennen lernen!« rief Jermak, wild die Augen rollend. –