„Nein, Jakow Petrowitsch, sehen Sie, ich … ich würde am besten tun, wenn ich … Ich würde am besten nach Hause gehen, Jakow Petrowitsch,“ sagte unser Held, der ein Gefühl hatte, als ob er auf gelindem Feuer geröstet würde, und ganz starr war vor Scham und Angst.
„Nein, nein, nein, nein!“ schnatterte der widerwärtige Mensch. „Nein, nein, nein, unter keinen Umständen! Kommen Sie!“ sagte er energisch und zog Herrn Goljadkin den älteren zur Haustür hin. Herr Goljadkin der ältere wollte ganz und gar nicht mitgehen; aber da alle nach ihm hinsahen und es dumm herausgekommen wäre, wenn er sich widersetzt und sich gesträubt hätte, so ging unser Held doch mit; übrigens kann man eigentlich nicht sagen, daß er ging, da er schlechterdings selbst nicht wußte, was mit ihm geschah. Aber es war ja nun doch schon alles egal!
Ehe unser Held noch einigermaßen zur Besinnung kommen und sich zurechtmachen konnte, befand er sich schon im Saale. Er war blaß, zerzaust, sein Anzug in Unordnung; seine trüben Augen irrten über die ganze Menge hin, — o weh: der Saal und alle Zimmer, alles, alles, war dicht gedrängt voll! Es war eine Unmasse von Menschen da, ein ganzer Flor von Damen. Alle Anwesenden strebten zu Herrn Goljadkin hin; alle umdrängten ihn; alle schoben Herrn Goljadkin vorwärts, der sehr wohl merkte, daß sie ihn in einer bestimmten Richtung fortschoben. „Doch nicht zur Tür?“ ging es ihm durch den Kopf. In der Tat schoben sie ihn nicht zur Tür hin, sondern geradeswegs zu Olsufi Iwanowitschs bequemem Lehnstuhl. Neben dem Lehnstuhl stand auf der einen Seite Klara Olsufjewna, blaß, matt, traurig, aber in prachtvoller Toilette. Besonders fielen Herrn Goljadkin die kleinen weißen Blümchen in ihrem schwarzen Haar in die Augen, was einen ganz außerordentlichen Effekt machte. Auf der andern Seite des Lehnstuhles stand Wladimir Semjonowitsch, im schwarzen Frack, mit seinem neuen Orden im Knopfloch. Zwei von den Gästen hatten Herrn Goljadkin untergefaßt und führten ihn, wie schon oben gesagt ist, geradeswegs zu Olsufi Iwanowitsch, und zwar auf der einen Seite Herr Goljadkin der jüngere, der eine höchst wohlanständige, wohlwollende Miene angenommen hatte, worüber unser Held sich unsagbar freute, auf der andern Seite Andrei Filippowitsch mit sehr feierlichem Gesichtsausdruck. „Was soll das?“ dachte Herr Goljadkin. Als er sah, daß man ihn zu Olsufi Iwanowitsch führte, da war es ihm, als ob ihm ein Blitz plötzlich alles erleuchtete. Der Gedanke an den entwendeten Brief fuhr ihm durch den Kopf. In namenloser Angst stand unser Held vor Olsufi Iwanowitschs Lehnstuhl. „Wie wird es mir jetzt gehen?“ dachte er bei sich. „Selbstverständlich werde ich alles frei heraus sagen, mit einer Aufrichtigkeit, die von vornehmer Gesinnung zeugt; so und so, usw.“ Aber was unser Held anscheinend fürchtete, trat nicht ein. Olsufi Iwanowitsch empfing Herrn Goljadkin, wie es schien, sehr gut; er streckte ihm zwar nicht die Hände entgegen; aber er wiegte, indem er ihn anblickte, sein graues, Ehrfurcht einflößendes Haupt mit ernst-trauriger und zugleich wohlwollender Miene hin und her. So schien es wenigstens Herrn Goljadkin. Es schien diesem sogar, als ob in Olsufi Iwanowitschs trüben Blicken eine Träne glänzte; er hob die Augen in die Höhe und sah, daß auch an den Wimpern der dicht daneben stehenden Klara Olsufjewna ein Tränchen glitzerte, daß mit Wladimir Semjonowitschs Augen etwas Ähnliches vorging, daß sogar Andrei Filippowitschs unerschütterliche, ruhige Würde sich von der allgemeinen, tränenreichen Anteilnahme nicht ausschloß, und daß endlich jener Jüngling, von dem wir früher einmal gesagt haben, daß er große Ähnlichkeit mit einem würdigen Rate hatte, den gegenwärtigen Augenblick schon dazu benutzte, bitterlich zu schluchzen … Oder kam das vielleicht Herrn Goljadkin alles nur so vor, weil er selbst ausgiebig weinte und deutlich fühlte, wie ihm die heißen Tränen über die kalten Backen liefen? … Schluchzend, mit den Menschen und dem Schicksal ausgesöhnt und im gegenwärtigen Augenblicke von Liebe erfüllt nicht nur zu Olsufi Iwanowitsch und allen Gästen zusammen, sondern sogar zu seinem so unheilbringenden Zwillingsbruder, der jetzt überhaupt nicht unheilbringend und nicht einmal wie Herrn Goljadkins Zwillingsbruder aussah, sondern wie ein ganz unbeteiligter und äußerst liebenswürdiger Mensch, wollte sich unser Held zu Olsufi Iwanowitsch wenden und ihm in rührender Weise sein Herz ausschütten; aber die Fülle der Gefühle, die sich in seinem Herzen angesammelt hatten, war zu groß: er konnte kein Wort herausbringen, sondern zeigte nur mit einer sehr ausdrucksvollen Handbewegung schweigend auf sein Herz … Endlich führte Andrei Filippowitsch, wahrscheinlich um dem grauhaarigen alten Manne eine allzu große Aufregung zu ersparen, Herrn Goljadkin ein wenig beiseite und überließ ihn dort anscheinend völlig sich selbst. Lächelnd und etwas vor sich hinmurmelnd, ein wenig erstaunt, aber jedenfalls mit den Menschen und dem Schicksal fast ganz ausgesöhnt, begann unser Held in irgendwelcher Richtung sich durch die dichte Masse der Gäste fortzubewegen. Alle machten ihm Platz; alle sahen ihn mit einer sonderbaren Neugier und einer unerklärlichen, rätselhaften Teilnahme an. Unser Held ging in ein anderes Zimmer: überall wandte sich ihm dieselbe Aufmerksamkeit zu; er nahm undeutlich wahr, wie ein ganzer Schwarm sich hinter ihm her drängte, wie sie jeden seiner Schritte beobachteten, wie sie alle leise untereinander über irgendwelchen sehr interessanten Gegenstand sprachen, die Köpfe schüttelten und flüsternd disputierten. Herr Goljadkin hätte gern gewußt, worüber sie da stritten und flüsterten. Sich umblickend, bemerkte unser Held neben sich Herrn Goljadkin den jüngeren. Er fühlte sich gedrungen, ihn an der Hand zu fassen und beiseite zu führen, und bat hier den andern Jakow Petrowitsch inständig, ihm bei allen seinen künftigen Unternehmungen behilflich zu sein und ihn in kritischen Lagen nicht im Stich zu lassen. Herr Goljadkin der jüngere nickte würdevoll mit dem Kopfe und drückte Herrn Goljadkin dem älteren warm die Hand. Unserem Helden zitterte das Herz in der Brust von dem Überschwang seiner Gefühle. Er konnte kaum Atem holen; er hatte die Empfindung, daß ihn etwas furchtbar beengte, daß alle diese auf ihn gerichteten Augen ihn gewissermaßen niederdrückten und erstickten … Herr Goljadkin sah im Vorbeigehen jenen Rat, der eine Perücke auf dem Kopfe trug. Der Rat schaute ihn mit einem ernsten, prüfenden Blick an, der sich durch die allgemeine Teilnahme nicht hatte milder stimmen lassen … Unser Held faßte schon den Entschluß, gerade auf ihn zu zu gehen, um ihn anzulächeln und sich unverzüglich mit ihm auszusprechen; aber dieser Vorsatz kam nicht zur Ausführung. Für einen Augenblick vergaß Herr Goljadkin sich selbst und alles andere fast vollständig; er verlor sowohl das Gedächtnis als auch die Empfindung … Als er wieder zu sich kam, bemerkte er, daß er sich in einem weiten Kreise der ihn umgebenden Gäste herumdrehte. Auf einmal wurde Herr Goljadkin von dem andern Zimmer aus gerufen; dieser Ruf pflanzte sich schnell durch die ganze Menge fort. Alle gerieten in Aufregung, alle begannen geräuschvoll zu reden, alle stürzten zu der Tür hin, die in den ersten Saal führte; unsern Helden trugen sie beinah auf den Händen ebendorthin, wobei der hartherzige Rat mit der Perücke zufällig Seite an Seite mit Herrn Goljadkin ging. Endlich ergriff er ihn bei der Hand und veranlaßte ihn, sich neben ihn zu setzen, dem Sitze Olsufi Iwanowitschs gegenüber, jedoch in ziemlich beträchtlicher Entfernung von demselben. Alle, die in den Zimmern anwesend waren, setzten sich in mehreren Reihen um Herrn Goljadkin und Olsufi Iwanowitsch herum. Alles wurde still und ruhig; alle beobachteten ein feierliches Schweigen; alle blickten Olsufi Iwanowitsch an, offenbar in Erwartung von etwas sehr Ungewöhnlichem. Herr Goljadkin bemerkte, daß neben Olsufi Iwanowitschs Lehnstuhl und ebenfalls dem Rate gegenüber der andere Herr Goljadkin und Andrei Filippowitsch Platz genommen hatten. Das Schweigen dauerte ziemlich lange; man wartete tatsächlich auf etwas. „Genau so wie in einer Familie, bevor einer eine weite Reise antritt; man brauchte jetzt nur aufzustehen und zu beten,“ dachte unser Held. Auf einmal entstand eine ungewöhnliche Bewegung und unterbrach alle seine Überlegungen. Etwas längst Erwartetes war eingetreten. „Er kommt, er kommt!“ wurde in der Menge gerufen. „Wer kommt denn?“ fuhr es Herrn Goljadkin durch den Kopf, und ein sonderbares Gefühl ließ ihn zusammenfahren. „Es ist Zeit!“ sagte der Rat, indem er Andrei Filippowitsch bedeutsam ansah. Andrei Filippowitsch warf seinerseits dem alten Olsufi Iwanowitsch einen Blick zu. Olsufi Iwanowitsch nickte würdevoll und feierlich mit dem Kopfe. „Erheben wir uns!“ sagte der Rat und veranlaßte Herrn Goljadkin zum Aufstehen. Alle erhoben sich. Darauf ergriff der Rat Herrn Goljadkin den älteren bei der Hand und Andrei Filippowitsch Herrn Goljadkin den jüngeren, und so führten sie die beiden vollkommenen Ebenbilder durch die Menge, die sie in gespannter Erwartung umgab, feierlich aufeinander zu. Unser Held blickte erstaunt um sich; aber man hielt ihn sogleich davon ab und wies ihn auf Herrn Goljadkin den jüngeren hin, der ihm die Hand entgegenstreckte. „Man will uns miteinander versöhnen,“ dachte unser Held und hielt gerührt seine Hand Herrn Goljadkin dem jüngeren hin; dann, dann streckte er auch den Kopf zum Kusse vor. Dasselbe tat auch der andere Herr Goljadkin … In diesem Momente schien es Herrn Goljadkin dem älteren, daß sein treuloser Freund lächelte und der ganzen umstehenden Menge schnell und listig zublinkte, daß ein boshafter Zug auf dem Gesichte des unedlen Herrn Goljadkin des jüngeren zum Ausdruck kam, und daß er sogar im Augenblicke seines Judaskusses eine Grimasse schnitt … In Herrn Goljadkins Kopfe dröhnte es; vor den Augen wurde es ihm dunkel; es kam ihm vor, als ob eine Unmenge, eine ganze Reihe ganz ähnlicher Goljadkins lärmend durch alle Türen des Saales hereindränge; aber es war zu spät … Der Verräter hatte ihm schon einen schallenden Kuß gegeben, und …
Da begab sich etwas ganz Unerwartetes … Die Saaltür wurde geräuschvoll geöffnet, und auf der Schwelle erschien ein Mensch, dessen bloßer Anblick Herrn Goljadkin zu Eis erstarren ließ. Seine Füße wuchsen am Boden fest. Ein Schrei erstarb in seiner beengten Brust. Übrigens hatte Herr Goljadkin alles vorher gewußt und schon längst etwas Ähnliches geahnt. Der Unbekannte näherte sich Herrn Goljadkin würdevoll und feierlich. Herr Goljadkin kannte diese Gestalt sehr gut. Er hatte sie schon gesehen, sehr oft gesehen, noch an diesem selben Tage gesehen … Der Unbekannte war ein hochgewachsener, kräftig gebauter Mann, in schwarzem Frack, mit einem hohen Orden am Halse, mit dichtem, sehr schwarzem Backenbart; es fehlte nur die Zigarre im Munde, um die Ähnlichkeit vollständig zu machen. Der Blick des Unbekannten bewirkte, daß, wie schon oben gesagt, Herr Goljadkin vor Angst zu Eis erstarrte. Mit würdevoller, feierlicher Miene trat der furchtbare Mensch auf den bedauernswerten Helden unserer Erzählung zu … Unser Held streckte ihm die Hand entgegen; der Unbekannte ergriff sie und zog ihn hinter sich her … Verstört und niedergedrückt blickte unser Held rings um sich.
„Das ist Krestjan Iwanowitsch Rutenspitz, Doktor der Medizin und Chirurgie, Ihr alter Bekannter, Jakow Petrowitsch!“ schnatterte eine widerwärtige Stimme dicht an Herrn Goljadkins Ohr. Er sah sich um: es war der wegen seiner Nichtswürdigkeit hassenswerte Zwillingsbruder des Herrn Goljadkin. Eine unedle, boshafte Freude glänzte auf seinem Gesichte: entzückt rieb er sich die Hände; entzückt drehte er seinen Kopf nach allen Seiten; entzückt trippelte er um all und jeden herum; er schien Lust zu haben, gleich auf dem Flecke vor Entzücken loszutanzen; zuletzt sprang er vor, nahm einem der Diener eine Kerze aus der Hand und ging voran, um Herrn Goljadkin und Krestjan Iwanowitsch zu leuchten. Herr Goljadkin hörte deutlich, wie alle, die im Saale waren, hinter ihm herströmten, wie alle sich stießen und drängten und ihm einhellig immer dasselbe wiederholten: „Das hat nichts zu bedeuten; fürchten Sie sich nicht, Jakow Petrowitsch! Das ist ja Ihr alter Freund und Bekannter Krestjan Iwanowitsch Rutenspitz …“ Endlich traten sie auf die hellerleuchtete Treppe hinaus; auch auf der Treppe standen eine Menge Leute. Geräuschvoll wurde die Haustür geöffnet, und nun stand Herr Goljadkin mit Krestjan Iwanowitsch auf den davor befindlichen Stufen. Vor der Tür stand eine Kutsche, mit vier Pferden bespannt, die vor Ungeduld schnaubten. Der schadenfrohe Herr Goljadkin der jüngere kam in großen Sätzen die Treppe herabgesprungen und öffnete selbst die Kutsche. Krestjan Iwanowitsch ersuchte durch eine einladende Handbewegung Herrn Goljadkin, einzusteigen. Übrigens bedurfte es einer solchen einladenden Handbewegung gar nicht; es waren genug Leute da, um ihm hineinzuhelfen … Halbtot vor Angst blickte Herr Goljadkin zurück: die ganze hellerleuchtete Treppe war mit Menschen besetzt; von allen Seiten blickten neugierige Augen nach ihm hin; selbst Olsufi Iwanowitsch saß in seinem bequemen Lehnstuhl auf dem oberen Treppenflur und verfolgte aufmerksam mit lebhaftem Interesse den ganzen Vorgang. Alle warteten. Ein Gemurmel der Ungeduld lief durch die Menge, als Herr Goljadkin sich umwandte und zurückblickte.
„Ich hoffe, daß darin nichts … nichts Anstößiges liegt … nichts, was der Behörde zu strengem Verfahren gegen mich Anlaß geben … oder die allgemeine Aufmerksamkeit mit Bezug auf meine amtliche Stellung erregen könnte?“ sagte unser Held ganz fassungslos. Ringsum wurde lärmend darauf geantwortet; alle schüttelten verneinend die Köpfe. Die Tränen stürzten Herrn Goljadkin aus den Augen.
„In diesem Falle bin ich bereit … ich vertraue mich ganz Krestjan Iwanowitsch an … ich lege mein Schicksal in seine Hände …“
Kaum hatte Herr Goljadkin gesagt, daß er sein Schicksal ganz in Krestjan Iwanowitschs Hände lege, als alle, die ihn umgaben, in ein furchtbares, betäubendes Freudengeschrei ausbrachen, das sich dann in unheilverkündendem Widerhall durch die ganze wartende Menge hinwälzte. Nun faßten Krestjan Iwanowitsch von der einen Seite, Andrei Filippowitsch von der andern Seite Herrn Goljadkin unter den Arm und machten Anstalt, ihn in den Wagen zu setzen; der Doppelgänger half nach seiner nichtswürdigen Gewohnheit von hinten nach. Der unglückliche Herr Goljadkin der ältere warf auf alle und alles einen letzten Blick und kroch zitternd wie ein Kätzchen, das man mit kaltem Wasser begossen hat, wenn dieser Vergleich gestattet ist, in den Wagen hinein; nach ihm stieg sogleich auch Krestjan Iwanowitsch ein. Die Wagentür wurde zugeschlagen; die Peitsche fiel klatschend auf die Rücken der Pferde; die Pferde zogen an … alle stürzten hinter Herrn Goljadkin her. Gellendes, wütendes Geschrei aller seiner Feinde schallte ihm als Abschiedsgruß nach. Eine Zeitlang huschten noch einige Gestalten um den Wagen herum, der Herrn Goljadkin entführte; aber allmählich blieben sie zurück und verschwanden schließlich ganz. Am längsten von allen blieb Herrn Goljadkins unedler Zwillingsbruder. Die Hände in die Taschen seiner grünen Uniformhosen gesteckt, lief er mit zufriedener Miene einher, indem er bald von der einen, bald von der andern Seite an den Wagen heransprang; manchmal griff er auch nach dem Fensterrahmen, hängte sich daran, steckte den Kopf ins Fenster und warf Herrn Goljadkin zum Abschied Kußhändchen zu; aber auch er begann müde zu werden, zeigte sich immer seltener und seltener und verschwand schließlich vollständig. Herr Goljadkin fühlte einen dumpfen Schmerz im Herzen; das Blut pochte ihm wie eine heiße Quelle im Kopfe; es war ihm drückend heiß; er wollte sich gern die Kleider aufknöpfen, seine Brust entblößen, sie mit Schnee beschütten und mit kaltem Wasser begießen. Endlich versank er in Bewußtlosigkeit … Als er wieder zu sich kam, sah er, daß der Wagen auf einem ihm unbekannten Wege dahinfuhr. Rechts und links lag schwarzer Wald; alles war öde und menschenleer. Auf einmal wurde er starr vor Schreck: zwei feurige Augen blickten ihn in der Dunkelheit an und funkelten in boshafter, teuflischer Freude. „Das ist nicht Krestjan Iwanowitsch!“ dachte Herr Goljadkin. „Wer ist das? Oder ist er es doch? Er ist es! Es ist Krestjan Iwanowitsch; aber nicht der frühere, sondern ein anderer Krestjan Iwanowitsch! Das ist ein entsetzlicher Krestjan Iwanowitsch! …“
„Krestjan Iwanowitsch, ich … ich … ich glaube, es fehlt mir nichts, Krestjan Iwanowitsch,“ begann unser Held zaghaft und zitternd, in dem Wunsche, durch Unterwürfigkeit und Demut den furchtbaren Krestjan Iwanowitsch ein wenig milder zu stimmen.
„Sie bekommen vom Staate freie Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bedienung; das ist mehr, als Sie verdienen,“ antwortete Krestjan Iwanowitsch; die Antwort klang streng und furchtbar wie ein Urteilsspruch.