„Unbedingt ein Pfandgeber!“ wiederholte Rasumichin. „Porphyri verrät seine Gedanken nicht, aber er verhört doch die Pfandgeber ...“

„Verhört die Pfandgeber?“ fragte Raskolnikoff laut.

„Ja, was ist denn?“

„Nichts.“

„Wo findet er sie denn?“ fragte Sossimoff.

„Einige hat Koch genannt; von anderen waren die Namen auf den Umschlägen der Sachen notiert, und manche kamen von selbst, als sie hörten ...“

„Na, das muß doch eine gewandte und erfahrene Kanaille sein! Welche Kühnheit! Welche Entschlossenheit!“

„Das ist es ja, daß dies nicht der Fall ist!“ unterbrach Rasumichin. „Das bringt auch alle von der Spur ab. Ich aber sage – er war ungewandt und unerfahren und sicher war es das erstemal. – Nimm Berechnung und eine gewandte Kanaille an, und es erscheint unglaublich. Nimm aber einen Unerfahrenen an, und es zeigt sich, daß nur der Zufall ihn unterstützt und gerettet hat, und was tut nicht der Zufall? Ich bitte dich, er hat vielleicht nicht einmal Hindernisse vorausgesehen! Und wie führt er die Tat aus? – Er nimmt Sachen im Werte von zehn und zwanzig Rubel, stopft sich damit die Taschen voll, wühlt in dem Kasten, in allerhand Weiberlumpen, – und in der Kommode, in der oberen Schublade findet man nachher in einer Schatulle an barem Gelde gegen anderthalb tausend, außer den Wertpapieren. Er hat nicht mal verstanden zu rauben, er hat bloß verstanden zu morden! Ich sage dir, es ist sein erster Fall, sein allererster; er hat seine Fassung verloren. Und nicht durch Berechnung, sondern durch Zufall ist er entkommen.“

„Mir scheint, Sie sprechen von der kürzlichen Ermordung der alten Beamtenwitwe,“ mischte sich Peter Petrowitsch ein, sich an Sossimoff wendend. Er stand schon mit dem Hute und Handschuhen in der Hand, aber vor dem Fortgehen wollte er noch einige geistreiche Worte fallen lassen. Er mühte sich sichtlich, einen guten Eindruck zu hinterlassen und die Eitelkeit überwand die Vernunft.

„Ja. Haben Sie davon gehört?“