„Oh, was für Schauergeschichten Sie erzählen!“ sagte Sametoff lachend. „Das redet man so, bei der Ausführung aber würden Sie schon stolpern. Bei so einer Sache, sage ich Ihnen, kann nicht mal ein geübter, geriebener Mensch für sich einstehen, geschweige denn wir beide. Wozu so weit ausholen, – da haben Sie ein Beispiel, in unserem Revier hat man eine alte Frau ermordet. Allem Anschein nach ein verwegener Bursche, am hellen lichten Tage hat er’s gewagt, nur durch ein Wunder rettete er sich, – die Hände aber haben doch versagt; er hat nicht verstanden zu stehlen, hat nicht standgehalten; man sieht es aus dem Tatbestande ...“
Raskolnikoff schien sich gekränkt zu fühlen.
„Man sieht es! So nehmen Sie ihn doch fest!“ rief er höhnisch aus, um Sametoff zu reizen.
„Man wird ihn schon kriegen.“
„Wer? Sie? Sie wollen ihn kriegen? Das wird lange dauern! Sehen Sie, was ist denn bei Ihnen die Hauptsache, – ob ein Mensch viel Geld ausgibt oder nicht? Hatte er vor kurzem keins, gibt jetzt plötzlich Geld aus, – so muß er das sein! In dieser Weise kann Sie jedes kleine Kind irreführen, wenn es will.“
„Das ist es ja, daß sie alle so handeln,“ antwortete Sametoff. „Erst morden sie mit Bedacht, riskieren ihr Leben und gehen dann fort ohne Beute in eine Schenke und werden dort festgenommen. Beim Geldausgeben werden sie festgenommen. Nicht alle sind so schlau wie Sie. Sie würden selbstverständlich in keine Schenke gehen!“
Raskolnikoff zog die Augenbrauen zusammen und blickte Sametoff scharf an.
„Sie haben, wie es scheint, Appetit bekommen und möchten wissen, wie ich auch in diesem Falle gehandelt hätte?“ fragte er bitter.
„Ich möchte es sehr gern wissen,“ antwortete jener fest und bestimmt. Seine Stimme und sein Blick waren jetzt fast zu ernst geworden.
„Sehr?“