Anstatt dessen war ein Diener zu unserem Empfang auf den Bahnhof gesandt worden, mit der Adresse von diesen möblierten Zimmern und um uns den Weg zu zeigen. Peter Petrowitsch aber ließ uns mitteilen, daß er heute morgen hier bei uns erscheinen werde. Anstatt dessen kam heute früh dieser Brief von ihm ... Es ist das beste, Sie lesen ihn selbst; in ihm ist ein Punkt, der mich sehr beunruhigt ... Sie werden selbst sofort sehen, welchen Punkt ich meine, und ... sagen Sie mir Ihre aufrichtige Meinung, Dmitri Prokofjitsch! Sie kennen besser als alle den Charakter Rodjas und können uns am besten raten. Ich sage Ihnen im voraus, daß Dunetschka schon alles vom ersten Schritt an beschlossen hat, ich aber, ich weiß noch nicht, wie ich handeln soll und ... und wartete die ganze Zeit auf Sie.“

Rasumichin entfaltete den Brief, der mit dem gestrigen Datum versehen war, und las folgendes:

„Sehr verehrte Pulcheria Alexandrowna!

Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß ich infolge plötzlich eingetretener Hindernisse Sie auf dem Bahnsteige nicht empfangen konnte, ich sandte darum einen gewandten Menschen. Ebenso werde ich auch morgen früh nicht die Ehre einer Zusammenkunft mit Ihnen haben können, infolge unaufschiebbarer Angelegenheiten im Senat, und um Ihre verwandtschaftliche Zusammenkunft mit Ihrem Sohne und Awdotja Romanownas mit ihrem Bruder nicht zu stören. Ich will mir aber die Ehre nehmen, Sie spätestens morgen, Punkt acht Uhr abends, aufzusuchen, um Ihnen meine Aufwartung in Ihrer Wohnung zu machen, wobei ich mir erlaube, eine inständige und – ich füge hinzu – dringende Bitte auszusprechen, daß bei unserer gemeinsamen Zusammenkunft Rodion Romanowitsch nicht anwesend sein soll, da er mich bei meinem gestrigen Besuche während seiner Krankheit beispiellos und schwer gekränkt hat, und weil ich außerdem mit Ihnen persönlich eine notwendige und ausführliche Erklärung über einen Punkt haben möchte, über den ich Ihre eigene Deutung zu erfahren wünsche. Ich habe die Ehre, im voraus mitzuteilen, daß, falls ich, entgegen meiner Bitte, Rodion Romanowitsch antreffen sollte, ich gezwungen sein würde, mich zu entfernen, woran Sie allein sich die Schuld zuzuschreiben hätten.

Ich schreibe es in der Voraussetzung, daß Rodion Romanowitsch, der bei meinem Besuche so schwer krank zu sein schien, nach zwei Stunden plötzlich genas, ausgehen und also zu Ihnen kommen kann. Ich habe mich davon mit meinen eigenen Augen überzeugt, als er gestern in der Wohnung eines von Pferden überfahrenen Trunkenboldes, der an den Verletzungen gestorben ist, dessen Tochter, einem Mädchen von verrufenem Lebenswandel, etwa fünfundzwanzig Rubel aushändigte, unter dem Vorwande, die Kosten der Beerdigung zu tragen, was mich sehr überraschte, weil ich wußte, mit welcher Mühe Sie diese Summe erhielten. Hierbei übermittele ich meine besondere Achtung der geehrten Awdotja Romanowna und bitte Sie, meine achtungsvolle Ergebenheit entgegenzunehmen.

Ihr untertänigster Diener
P. Luschin.“

„Was soll ich jetzt tun, Dmitri Prokofjitsch?“ – sagte Pulcheria Alexandrowna fast weinend. – „Wie kann ich Rodja zumuten, nicht zu kommen? Er verlangte gestern so eindringlich die Absage an Peter Petrowitsch, und nun verlangt man, ihn selber abzuweisen. Ja, er wird absichtlich kommen, wenn er es erfährt und ... was geschieht dann?“

„Handeln Sie so, wie Awdotja Romanowna beschlossen hat,“ – antwortete ruhig und sofort Rasumichin.

„Ach, mein Gott! Sie sagt ... sie sagt – Gott weiß was, und erklärt mir nicht den Zweck! Sie sagt, es würde am besten sein, das heißt, nicht am besten sein, sondern es sei aus einem Grunde unbedingt nötig, daß auch Rodja heute um acht Uhr abends bestellt werde, und daß sie unbedingt hier einander träfen ... Und ich wollte ihm nicht einmal den Brief zeigen, und es irgendwie durch Ihre Vermittelung einrichten, daß er nicht herkäme ... denn er ist so gereizt ... Ja, und ich verstehe gar nicht, was für ein Trunkenbold dort gestorben ist und was das für eine Tochter ist, und in welcher Weise konnte er dieser Tochter das letzte Geld abgeben ... das ...“

„Das Ihnen so teuer zu stehen kam, Mama,“ – fügte Awdotja Romanowna hinzu.