„Blut! Was für Blut?“ sagte Pulcheria Alexandrowna erschrocken.

„Es ist nichts ... regen Sie sich nicht auf. Das Blut kommt daher, weil ich, als ich gestern besinnungslos herumirrte, auf einen überfahrenen Menschen stieß ... auf einen Beamten ...“

„Besinnungslos? Aber du erinnerst dich an alles,“ unterbrach ihn Rasumichin.

„Das ist richtig,“ antwortete ihm Raskolnikoff mit Bedacht, „ich erinnere mich an alles, bis auf die geringste Kleinigkeit, aber dennoch, denk dir, – warum ich das getan und dort gewesen bin und jenes gesagt habe, – kann ich mir nicht erklären.“

„Das ist eine sehr bekannte Tatsache,“ mischte sich Sossimoff ein, „zuweilen ist die Ausführung einer Sache meisterlich, glänzend, die Direktion der Handlungen aber, der Ursprung der Handlungen, ist dunkel und hängt von allerhand krankhaften Empfindungen ab. Es ist wie im Traume.“

„Es ist vielleicht gut, daß er mich beinahe für einen Irrsinnigen hält,“ dachte Raskolnikoff.

„Aber das kann man vielleicht auch von Gesunden sagen,“ bemerkte Dunetschka und sah Sossimoff besorgt an.

„Ihre Bemerkung ist ziemlich richtig,“ antwortete er, „in diesem Sinne gleichen wir fast alle tatsächlich und sehr oft Verrückten, nur mit dem kleinen Unterschiede, daß die ‚Kranken‘ ein bißchen mehr verrückt sind als wir, man muß hier eine Grenze festhalten. Einen ganz harmonischen Menschen aber, – das ist wahr, – gibt es fast nicht; auf Zehntausende, vielleicht aber auch auf viele Hunderttausende findet man einen ...“

Bei dem Worte „verrückt,“ das Sossimoff unvorsichtigerweise entschlüpfte, als er auf sein Lieblingsthema zu sprechen kam, verzogen alle die Gesichter. Raskolnikoff saß in Gedanken und mit einem seltsamen Lächeln auf den bleichen Lippen da, als schenke er dem keine Aufmerksamkeit. Er fuhr fort etwas zu erwägen.

„Nun, was ist mit dem Überfahrenen? Ich habe dich unterbrochen!“ rief schnell Rasumichin.