„Mit einem Worte, ich heirate Peter Petrowitsch,“ fuhr Dunetschka fort, „weil ich von zwei Übeln das kleinste wähle. Ich habe die Absicht, alles ehrlich zu erfüllen, was er von mir erwartet, also betrüge ich ihn nicht ... Warum lächelst du jetzt?“
Sie errötete und in ihren Augen blitzte der Zorn.
„Du willst alles erfüllen?“ fragte er mit einem giftigen Lächeln.
„Bis zu einer gewissen Grenze. Die Art und die Form des Antrages von Peter Petrowitsch haben mir sofort gezeigt, was er braucht. Er schätzt sich gewiß vielleicht zu hoch ein, aber ich hoffe, daß er auch mich schätzt ... Warum lachst du wieder?“
„Und warum errötest du wieder? Du lügst, Schwester, du lügst bewußt, bloß aus weiblichem Eigensinn, um nur auf deinem Willen vor mir zu bestehen ... Du kannst Luschin nicht achten, – ich habe ihn gesehen und mit ihm gesprochen. Also, verkaufst du dich für Geld und also handelst du in jedem Falle niedrig, und ich freue mich, daß du wenigstens noch erröten kannst!“
„Es ist nicht wahr, ich lüge nicht! ...“ rief Dunetschka, ihre ganze Kaltblütigkeit verlierend, „ich würde ihn nicht heiraten, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß er mich schätzt und auf mich etwas gibt; ich würde ihn nicht heiraten, wenn ich nicht fest überzeugt wäre, daß ich ihn selbst achten kann. Zum Glück kann ich mich davon sicher und heute noch überzeugen. Und solch eine Heirat ist keine Schuftigkeit, wie du sagst! Und wenn du auch recht hättest, wenn ich tatsächlich mich zu einer Schuftigkeit entschlossen hätte, – ist es dann nicht grausam von dir, so mit mir zu sprechen? Warum verlangst du von mir ein Heldentum, das du vielleicht selbst nicht hast? Das ist Despotismus, das ist Gewalttätigkeit! Wenn ich jemand zugrunde richte, doch höchstens mich selbst ... Ich habe noch niemanden getötet ... Warum schaust du mich so an? Warum bist du so bleich geworden? Rodja, was ist dir? Rodja, lieber ...“
„Herrgott! Sie hat ihn bis zur Ohnmacht gebracht!“ – rief Pulcheria Alexandrowna aus.
„Nein, nein ... das ist Unsinn ... es ist nichts! ... Der Kopf schwindelt mir nur ein wenig. Es ist keine Ohnmacht ... Ihr wittert überall Ohnmachten ... Hm! ja ... was wollte ich sagen? Ja, – wie willst du dich heute überzeugen, daß du ihn achten kannst, und daß er dich ... schätzt etwa, wie du sagtest? Du sagtest, schien mir, heute? Oder habe ich mich verhört?“
„Mama, zeigen Sie dem Bruder den Brief von Peter Petrowitsch,“ – sagte Dunetschka.
Pulcheria Alexandrowna reichte ihm mit zitternden Händen den Brief. Er nahm ihn mit großer Neugierde. Ehe er ihn aber öffnete, blickte er plötzlich verwundert Dunetschka an.