„Ich habe im Gegenteil gehört, daß dieser Filka sich selbst erhängt habe.“

„Das stimmt, aber die ununterbrochenen Verfolgungen und Strafen des Herrn Sswidrigailoff haben ihn gezwungen oder besser gesagt, zum Selbstmorde getrieben.“

„Davon weiß ich nichts,“ antwortete Dunja trocken, „ich habe bloß eine sehr sonderbare Geschichte gehört, – dieser Filka war ein Hypochonder, ein Philosoph, die Menschen sagten von ihm, er habe zu viel gelesen, und er hat sich eher wegen der Spötteleien, als wegen der Schläge von Herrn Sswidrigailoff erhängt. Als ich dort im Hause war, behandelte er die Leute gut, und die Leute liebten ihn sogar, obwohl sie ihm an dem Tode Filkas die Schuld gaben.“

„Ich sehe, Awdotja Romanowna, daß Sie auf einmal geneigt sind, ihn zu entschuldigen,“ bemerkte Luschin und verzog den Mund zu einem zweideutigen Lächeln. „Er ist in der Tat ein schlauer Mensch und für Damen verführerisch, wofür Marfa Petrowna, die eines eigentümlichen Todes gestorben ist, als trauriges Beispiel dient. Ich wollte bloß Ihnen und Ihrer Frau Mutter mit meinem Ratschlage einen Dienst erweisen, in Anbetracht seiner neuen und zweifellos bevorstehenden Annäherungsversuche. Was mich anbetrifft, so bin ich fest überzeugt, daß dieser Mensch selbstverständlich wieder im Schuldgefängnisse verschwinden wird. Marfa Petrowna hat nie und nimmer die Absicht gehabt, irgend etwas auf seinen Namen zu übertragen, weil sie die Kinder im Auge hatte, und wenn sie ihm etwas hinterlassen hat, so ist es höchstens das Notwendigste, kaum nennenswert und was für einen Menschen von seinen Gewohnheiten auch nicht ein Jahr ausreicht.“

„Peter Petrowitsch, ich bitte Sie,“ sagte Dunja, „hören wir auf, von Herrn Sswidrigailoff zu sprechen. Es macht mich schwermütig.“

„Er war soeben bei mir,“ sagte plötzlich Raskolnikoff, zum ersten Male sein Schweigen brechend.

Von allen Seiten ertönten Ausrufe und alle wandten sich an ihn. Sogar Peter Petrowitsch wurde aufgeregt.

„Vor anderthalb Stunden, als ich schlief, kam er herein, weckte mich auf und stellte sich vor,“ fuhr Raskolnikoff fort. „Er war ziemlich ungezwungen und lustig und hofft sicher, daß ich mit ihm in nähere Beziehungen treten werde. Unter anderem bittet er sehr um eine Zusammenkunft mit dir, Dunja, und bat mich, der Vermittler dieser Zusammenkunft zu sein. Er will dir ein Anerbieten machen; worin dies besteht, hat er mir mitgeteilt. Außerdem teilte er mir positiv mit, daß Marfa Petrowna Zeit gefunden hat, eine Woche vor ihrem Tode, dir, Dunja, dreitausend Rubel zu vermachen, und daß du dieses Geld in sehr kurzer Zeit erhalten kannst!“

„Gott sei Dank!“ rief Pulcheria Alexandrowna und schlug ein Kreuz. „Bete für sie, Dunja, bete!“

„Das ist tatsächlich wahr?“ entschlüpfte es Luschin.