„Ja unserer Gegend,“ Entschuldigung wegen Familiarität, das französische „tout court[7]“ und dergleichen mehr, dies alles waren charakteristische Anzeichen. „Er hat mir beide Hände entgegengestreckt, hat aber keine Hand gereicht, hat sie rechtzeitig zurückgezogen,“ dachte er mißtrauisch. Beide beobachteten einander, aber kaum begegneten sich ihre Blicke, als sie beide mit Blitzesschnelle sie voneinander abwandten.
„Ich habe Ihnen diese Anmeldung ... über die Uhr gebracht ... hier haben Sie es. Ist es richtig geschrieben, oder soll ich es umschreiben?“
„Was? Die Anmeldung? Ja, so ... machen Sie sich keine Sorge, es ist richtig,“ sagte Porphyri Petrowitsch, als hätte er Eile, und erst nachdem er das gesagt hatte, nahm er das Schriftstück und sah es durch. „Ja, es ist richtig. Mehr ist auch nicht nötig,“ bestätigte er noch einmal schnell und legte das Papier auf den Tisch.
Nach einer Minute, als er schon von etwas anderem sprach, nahm er es wieder in die Hand und legte es in seinen Schreibtisch.
„Ich glaube, Sie sagten gestern, daß Sie wünschten, mich ... in aller Form ... über meine Bekanntschaft mit dieser ... Ermordeten zu fragen?“ begann wieder Raskolnikoff. „Nun, warum habe ich ‚ich glaube‘ gesagt?“ durchfuhr es ihn. „Warum beunruhige ich mich denn so, daß ich dieses ‚ich glaube‘ hinzugefügt habe?“ kam ihm alsbald ein zweiter Gedanke. Und plötzlich empfand er, daß seine Zweifelsucht, nur bei der Berührung mit Porphyri Petrowitsch, nur nach zwei Worten, nur von zwei Blicken, in einem einzigen Augenblick schon ins Ungeheure gestiegen sei ... und daß dies sehr gefährlich sei, – seine Nerven wurden gereizt, die Erregung steigerte sich. „Es ist ein Unglück! Ein Unglück! ... Ich werde mich wieder versprechen.“ –
„Ja, ja, ja! Haben Sie keine Sorge! Es hat Zeit, hat Zeit!“ murmelte Porphyri Petrowitsch und ging vor dem Tische auf und ab, wie absichtslos. Bald eilte er zu dem Fenster, bald zum Schreibtisch, bald zu dem anderen Tisch, bald mied er den mißtrauischen Blick Raskolnikoffs, bald blieb er plötzlich stehen und sah ihm unverwandt ins Gesicht. Sonderbar erschien dabei seine kleine, dicke und runde Gestalt, die wie ein Gummiball überall hinrollte und sofort von den Wänden und den Ecken absprang.
„Wir haben Zeit, wir haben Zeit! ... Rauchen Sie? Haben Sie was zu rauchen? Bitte, hier ist eine Zigarette,“ fuhr er fort und reichte dem Besucher Zigaretten ... „Wissen Sie, ich empfange Sie hier, meine Wohnung aber ist hier hinter der Zwischenwand ... freie Dienstwohnung, ich wohne jetzt noch in meiner alten, eigenen. Man mußte hier einige kleine Reparaturen vornehmen. Jetzt ist alles fast in Ordnung ... eine freie Dienstwohnung ist eine schöne Sache? Meinen Sie nicht?“
„Ja, es ist eine schöne Sache,“ antwortete Raskolnikoff und blickte ihn fast spöttisch an.
„Eine schöne Sache, eine schöne Sache ...“ wiederholte Porphyri Petrowitsch, als ob er an etwas ganz anderes denke, „ja! eine schöne Sache!“ rief er zum Schlusse laut, erhob plötzlich die Augen zu Raskolnikoff und blieb zwei Schritte vor ihm stehen.
Diese fortwährende dumme Wiederholung, daß eine Dienstwohnung eine schöne Sache sei, widersprach sehr dem ernsten sinnenden und rätselhaften Blicke, mit dem er jetzt seinen Besuch anstarrte.