„Ich war einen Augenblick früher da, als Sie kamen. Ich habe alles mit angehört, alles, und wie er Sie peinigte.“
„Wo? Was? Wann?“
„Ich saß die ganze Zeit bei ihm hinter der Wand.“
„Wie? Also Sie waren die Überraschung? Ja, wie konnte es denn zugehen? Erlauben Sie!“
„Als ich sah,“ – begann der Kleinbürger, – „daß die Hausknechte trotz meiner Worte nicht hingehen wollten, weil es, wie sie sagten, schon spät sei und er vielleicht böse würde, daß sie in so später Stunde noch daherkämen, quälte es mich, ich verlor den Schlaf und begann mich zu erkundigen. Und nachdem ich mich gestern erkundigt hatte, ging ich heute hin. Als ich zum erstenmal kam, war er noch nicht da, als ich nach einer Stunde wieder kam, empfing er mich nicht, und als ich zum drittenmal da war, – ließ man mich zu ihm. Ich erzählte ihm alles, wie es war, er lief im Zimmer herum und schlug sich mit der Faust vor die Brust. ‚Was macht ihr mit mir,‘ – sagte er, – ‚ihr Räuber? Hätte ich das gewußt, ich würde ihn mit einer Eskorte geholt haben!‘ Dann lief er aus dem Zimmer, rief jemand und begann in einer Ecke mit ihm zu sprechen, dann kam er wieder zu mir, frug mich aus, schimpfte mich und machte auch sich Vorwürfe. Ich teilte ihm alles mit, sagte auch, daß Sie gestern nicht gewagt hätten, mir auf meine Worte zu antworten, und daß Sie mich nicht erkannt hätten. Da begann er wieder herumzulaufen, sich vor die Brust zu schlagen und zu ärgern. Als man aber Sie anmeldete, sagte er, – ‚nun, krieche hinter die Wand, sitze dort, rühr dich nicht, was du auch hören solltest‘, und brachte mir selbst einen Stuhl dorthin und schloß mich ein; ‚vielleicht werde ich dich noch ausfragen‘, sagte er. Als man aber Nikolai hineingeführt hatte, ließ er mich hinaus, nachdem Sie gegangen waren. ‚Ich werde noch einmal nach dir schicken,‘ sagte er ‚und werde dich fragen ...‘“
„Und hat er Nikolai in deiner Gegenwart verhört?“
„Als er Sie hinausgeleitet und mich hinausgelassen hatte, begann er Nikolai zu verhören.“
Der Kleinbürger hielt inne und verneigte sich plötzlich noch einmal tief und berührte wieder mit einem Finger den Boden.
„Verzeihen Sie mir die Beschuldigung und meine Bosheit.“
„Gott vergebe dir,“ – antwortete Raskolnikoff, und kaum hatte er es gesagt, verneigte sich der Kleinbürger wieder vor ihm, aber diesmal nicht bis zum Boden, drehte sich um und verließ das Zimmer.