Ssonja blickte ihn unruhig an, – sie ahnte etwas besonderes in dieser unsicheren, weit ausgeholten Rede.
„Ich hatte ein Vorgefühl, daß Sie so etwas fragen werden,“ – sagte sie und sah ihn forschend an.
„Gut; mag sein, aber, wie soll es entschieden werden?“
„Warum fragen Sie, was unmöglich zu beantworten ist?“ – sagte Ssonja mit Widerwillen.
„Also, es ist besser, daß Luschin weiterlebt und Scheußlichkeiten verübt! Auch dieses haben Sie nicht gewagt zu entscheiden?“
„Ja, ich kenne doch die Vorsehung Gottes nicht ... Und warum fragen Sie, was man nicht fragen darf? Wozu solche leere Fragen? Wie kann es vorkommen, daß dieses von meiner Entscheidung abhängen soll? Und wer hat mich hier zum Richter bestellt, wer leben soll und wer nicht leben soll?“
„Wenn Gottes Vorsehung schon mitredet, da ist freilich nichts zu machen,“ – brummte Raskolnikoff finster.
„Sagen Sie besser offen, was Sie wollen!“ – rief Ssonja gramvoll aus. – „Sie haben wieder etwas im Sinn ... Sind Sie etwa nur gekommen, um mich zu quälen?“
Sie hielt es nicht aus und weinte plötzlich bitter. Er sah sie mit düsterer Schwermut an. Es verging eine geraume Weile.
„Du hast recht, Ssonja,“ – sagte er endlich leise.