„Sie ist gestorben!“ sagte Lebesjätnikoff.
„Rodion Romanowitsch, ich muß Ihnen ein paar wichtige Worte sagen,“ trat Sswidrigailoff heran.
Lebesjätnikoff trat ihm sofort seinen Platz ab und verschwand zartfühlend. Sswidrigailoff führte den erstaunten Raskolnikoff in eine abgelegene Ecke hin.
„Diese ganze Schererei, das heißt die Beerdigung und alles übrige nehme ich auf mich. Wissen Sie, es kommt doch bloß auf das Geld an, und ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich überflüssiges habe. Diese zwei Sprößlinge und diese Poletschka will ich in einer besseren Anstalt für Waisenkinder unterbringen und will für jeden bis zur Volljährigkeit fünfzehnhundert Rubel in eine Bank einzahlen, so daß Ssofja Ssemenowna vollkommen unbesorgt sein kann. Auch sie will ich aus dem Pfuhle herausziehen, denn sie ist ein gutes Mädchen, nicht wahr? Und so teilen Sie Awdotja Romanowna mit, daß ich ihre zehntausend in dieser Weise verbraucht habe.“
„Welche Absichten verfolgen Sie bei diesen übergroßen Guttaten?“ fragte Raskolnikoff.
„Ach! Sie mißtrauischer Mensch!“ lachte Sswidrigailoff. – „Ich habe doch gesagt, daß dieses Geld bei mir überflüssig liegt. Einfach aus Menschlichkeit, das lassen Sie bei mir nicht gelten? Sie war doch keine ‚Laus‘ gewesen – (er zeigte mit dem Finger auf die Ecke, wo die Verstorbene lag) – wie irgendeine alte Wucherin. Gestehen Sie doch selbst, – ‚soll Luschin tatsächlich weiterleben und Scheußlichkeiten verüben, oder sie sterben?‘ Und wenn ich nicht helfe, so muß doch Poletschka den nämlichen Weg gehen ...“
Er sagte es spöttisch mit zugekniffenen Augen und ohne den Blick von Raskolnikoff abzuwenden. Raskolnikoff erbleichte, es durchzog ihn ein Schauer, als er seine eigenen Worte wieder hörte, die er zu Ssonja gesprochen hatte. Er fuhr zurück und blickte Sswidrigailoff fassungslos an.
„Wo–woher ... wissen Sie?“ flüsterte er, kaum atmend.
„Ich wohne ja hier, hinter der Wand bei Madame Rößlich. Hier wohnt Kapernaumoff und dort Madame Rößlich, eine alte und sehr ergebene Bekannte von mir. Ich bin ihr Nachbar.“
„Sie?“