„Nun ja,“ lächelte Sswidrigailoff mit einer frappanten Offenheit. – „Was ist dabei? Mir scheint, Sie finden etwas schlechtes darin, daß ich über die Weiber so rede.“

„Das will wohl sagen, ob ich etwas schlechtes in der Unsittlichkeit finde oder nicht?“

„In der Unsittlichkeit! Nun, Sie gehen zu weit! Übrigens aber will ich Ihnen zuerst im allgemeinen über die Frauen antworten. Wissen Sie, ich liebe gerade jetzt zu plaudern. Sagen Sie mir, wozu soll ich mich enthalten? Warum soll ich die Frauen lassen, wenn ich ein großer Freund davon bin? Sie sind doch wenigstens eine Beschäftigung.“

„Also Sie rechnen hier bloß auf die Unsittlichkeit?“

„Was ist dabei, ja, meinetwegen auf Unsittlichkeit. Wie Sie sich darauf versessen haben. Ich liebe aber wenigstens eine offene Frage. In dieser Unsittlichkeit ist etwas beständiges, in der Natur begründetes und der Phantasie nicht unterworfenes, etwas, das stets wie eine feurige Glut im Blute steckt, ewig anfeuert und das man lange nicht, auch mit den Jahren vielleicht nicht, so schnell auslöschen kann. Geben Sie doch selbst zu, ist das nicht eine Art von Beschäftigung?“

„Wie soll man sich dabei freuen? Es ist eine Krankheit, und eine gefährliche.“

„Ah, Sie kommen damit! Ich gebe zu, daß es eine Krankheit ist, wie auch alles, was über das Maß hinausgeht, – und hier wird man unbedingt das Maß überschreiten, – aber das ist doch, erstens, bei dem einen so, bei dem anderen anders, und zweitens, muß man eben wie in allem Maß einhalten; es ist Berechnung und eine gemeine dazu, aber was soll man tun? Wenn es dies nicht gäbe, müßte man sich möglicherweise erschießen. Ich gebe zu, daß ein anständiger Mensch verpflichtet ist, sich lieber zu langweilen, aber dennoch ...“

„Könnten Sie sich erschießen?“

„Aber, hören Sie!“ erwiderte Sswidrigailoff mit Widerwillen. „Tun Sie mir den Gefallen und sprechen Sie nicht davon,“ fügte er hastig hinzu und ohne jegliche Großtuerei, die sich in allen seinen früheren Worten ausprägte. Sogar sein Gesicht schien sich verändert zu haben. – „Ich gestehe diese unverzeihliche Schwäche ein, aber was soll ich tun, – ich fürchte den Tod und liebe nicht, daß man darüber spricht. Wissen Sie, ich bin teilweise Mystiker?“

„Ah! Die Erscheinungen von Marfa Petrowna! Wie, kommt sie noch immer?“