„Also hat mich der Verstand noch nicht ganz verlassen, also besitze ich noch Urteilsfähigkeit und Gedächtnis, wenn ich mich hierauf besinnen konnte!“ dachte er triumphierend und atmete aus voller Brust tief und freudig auf. „Es ist einfach fieberhafte Schwäche, eine vorübergehende Anwandlung.“

Und er riß das ganze Futter aus der linken Hosentasche. In diesem Augenblicke beleuchtete ein Sonnenstrahl seinen linken Stiefel; auf dem Strumpfe, der aus dem Stiefel hervortrat, schienen Flecken zu sein. Er zog den Stiefel aus, – es waren wirklich Spuren. Die ganze Fußspitze war mit Blut durchtränkt; wahrscheinlich war er unvorsichtigerweise in die Pfütze getreten ... „Aber was nun damit tun? Wohin diesen Strumpf tun? Wohin diesen Strumpf, die Franse, die Hosentasche?“ Er knüllte alles in der Hand zusammen und blieb mitten im Zimmer stehen. „In den Ofen? Aber im Ofen wird man zuerst nachstöbern. Verbrennen? Ja, aber womit brennen? Er hat nicht mal Streichhölzer. Nein, besser, irgendwo hingehen und alles fortwerfen. Ja! das beste ist fortwerfen!“ wiederholte er und setzte sich von neuem auf den Diwan. „Und sofort muß ich es tun, in diesem Augenblick, ohne Zeit zu verlieren! ...“

Indessen fiel sein Kopf von neuem auf das Kissen; wieder durchrüttelte ihn eisig der unerträgliche Schüttelfrost; wieder zog er den Wintermantel über sich. Und lange noch, ein paar Stunden, träumte er ab und zu, „ich muß sofort ohne Zögern irgendwo hingehen und alles fortwerfen, damit es schnell aus den Augen kommt!“ Einigemal erhob er sich vom Diwan, wollte aufstehn, konnte aber nicht mehr. Endlich weckte ihn ein starkes Klopfen an der Türe.

„Öffne doch, lebst du oder nicht? Und immer schläft er!“ schrie Nastasja und schlug mit der Faust an die Türe. „Den ganzen geschlagenen Tag schläft er wie ein Hund! Er ist auch ein Hund! Öffne doch. Es ist schon elf Uhr.“

„Vielleicht ist er nicht zu Hause,“ sagte eine männliche Stimme.

„Ha, das ist die Stimme des Hausknechtes ... Was will er?“

Er sprang auf und setzte sich auf den Diwan. Das Herz klopfte so stark, daß es ihn schmerzte.

„Wer hat denn die Türe zugehakt?“ erwiderte Nastasja. „Sieh mal, er fängt an, sich einzuschließen! Fürchtet er, daß man ihn holen könnte? Öffne. Mensch, wach auf!“

„Was wollen sie? Warum ist der Hausknecht da? Alles ist bekannt. Soll ich Widerstand leisten oder öffnen? Mag alles zugrunde gehen ...“

Er erhob sich ein wenig, beugte sich nach vorn und nahm den Haken ab.