„Ach du, so eine,“ schrie er sie plötzlich aus vollem Halse an (die Dame in Trauer war schon fortgegangen), „was ist bei dir in der vorigen Nacht passiert? Ah? Wieder gibt es bei dir Schimpf und Skandal in der ganzen Straße? Wieder Schlägerei und Sauferei. Du träumst wohl vom Arbeitshause! Ich habe dir doch schon gesagt, habe dich schon zehnmal gewarnt, daß ich dir das elfte Mal nichts schenken werde! Und du tust es wieder, du, du ...“

Das Papier entfiel den Händen Raskolnikoffs und er blickte entsetzt die prachtvolle Dame an, mit der man so ungeniert herumsprang; aber bald darauf begriff er, was los sei, und sofort gefiel ihm diese Sache ausgezeichnet. Er hörte mit Vergnügen zu, so daß er Lust bekam, laut zu lachen, zu lachen, zu lachen ... Alle seine Nerven zuckten.

„Ilja Petrowitsch!“ versuchte der Sekretär zu besänftigen, aber er hielt inne, um die rechte Zeit abzuwarten, denn den in Aufregung geratenen Leutnant konnte man nicht anders beruhigen als durch Festhalten der Hände, was er aus eigener Erfahrung kannte.

Was aber die prachtvolle Dame anging, so begann sie zuerst beim Donner und Blitz zu beben; aber sonderbar, je zahlreicher und kräftiger die Schimpfwörter wurden, um so liebenswürdiger wurde ihr Aussehen, um so bezaubernder wurde ihr Lächeln dem zornigen Leutnant gegenüber. Sie trippelte auf einem Fleck, knixte ununterbrochen und wartete voll Ungeduld, daß sie endlich auch zu Wort kommen würde, was ihr schließlich gelang.

„Gar kein Lärm und keine Schlägerei waren bei mir, Herr Kapitän,“ plapperte sie plötzlich los, so schnell, als schüttete man Erbsen aus, – mit einem stark deutschen Akzent, aber doch fließend russisch, – „und gar kein Skandal, gar keiner, und sie kamen betrunken hin, und ich will alles erzählen, Herr Kapitän, und ich bin nicht schuld ... ich habe ein anständiges Haus, Herr Kapitän, und ein anständiger Ton ist bei mir, Herr Kapitän, und ich will nie, will selbst nie einen Skandal haben. Sie aber kamen ganz betrunken hin und haben dann drei Flaschen verlangt, und dann erhob einer seine Füße und begann mit den Füßen auf dem Klavier zu spielen, und das paßt sich gar nicht in einem anständigen Hause, und er hat das ganze Klavier zerschlagen, und das ist doch keine Manier, und da habe ich es ihm gesagt. Er aber nahm eine Flasche und begann alle von hinten mit der Flasche zu stoßen. Und da habe ich den Hausknecht gerufen, und als Karl kam, hat er Karl das Auge ausgeschlagen, und Henriette hat er auch das Auge ausgeschlagen, und mich hat er fünfmal auf die Backe geschlagen. Und das ist nicht fein in einem anständigen Hause, Herr Kapitän, und ich habe geschrien. Und er hat das Fenster zu dem Kanal geöffnet und hat wie ein kleines Schwein aus dem Fenster gequiekt; das ist doch eine Schande. Wie kann man auch wie ein kleines Schwein aus dem Fenster quieken? Pfui, pfui, pfui! Und Karl hat ihn an seinem Frack vom Fenster gezogen, und das ist wahr, Herr Kapitän, daß er ihm da seinen Rock zerrissen hat. Und da begann er zu schreien, daß man ihm fünfzehn Rubel Strafe zahlen müsse. Und ich selbst habe ihm fünf Rubel für seinen Rock bezahlt, Herr Kapitän. Und das ist ein unanständiger Gast, Herr Kapitän, und er hat allen Skandal gemacht. Ich werde, hat er gesagt, eine große Satire über Sie drucken lassen, denn ich kann in allen Zeitungen über Sie schreiben.“

„Also ein Zeitungsschreiber?“

„Ja, Herr Kapitän, und welch ein unanständiger Gast, Herr Kapitän, wenn er in einem anständigen Hause ...“

„Nun, nun, genug! Ich habe dir doch gesagt, habe dir doch gesagt ...“

„Ilja Petrowitsch!“ sagte von neuem der Sekretär bedeutungsvoll.

Der Leutnant blickte ihn schnell an, der Sekretär nickte leicht mit dem Kopfe.