„Wer sind ... Sie?“ wandte sich fragend Raskolnikoff an den Kontordiener. In diesem Augenblicke wurde die Türe von neuem weit geöffnet, und gebückt, da er viel zu groß war, trat Rasumichin ein.
„Das ist ja die reinste Schiffskajüte,“ rief er beim Eintreten, „immer stoße ich mit der Stirn an. Und das nennt sich eine Wohnung? Und du bist zu dir gekommen, Bruder! Die liebe Praskovja sagte es mir.“
„Er ist soeben zu sich gekommen,“ sagte Nastasja.
„Soeben zu sich gekommen,“ bestätigte wieder der Kontordiener mit einem Lächeln.
„Wer sind Sie aber, mein Herr?“ fragte er plötzlich Rasumichin, sich an ihn wendend. „Ich bin, sehen Sie, Rasumichin, Student, Sohn eines Edelmannes, und er ist mein Freund. Nun, und wer sind Sie?“
„Ich bin in unserm Kontor Diener, beim Kaufmann Schelopajeff, und komme in Geschäften.“
„Nehmen Sie bitte Platz auf diesem Stuhl.“
Rasumichin setzte sich auf einen andern, an der anderen Seite des Tischchens.
„Das hast du gut getan, Bruder, daß du zu dir gekommen bist,“ fuhr er fort, sich an Raskolnikoff wendend. „Den vierten Tag schon hast du kaum etwas gegessen oder getrunken. Löffelweise hat man dir ein wenig Tee gegeben. Ich brachte ein paarmal Sossimoff mit. Erinnerst du dich seiner? Er hat dich genau untersucht und sagte sofort, es sei nichts von Bedeutung, – es hat sich in den Kopf gezogen. Irgendein Unsinn mit den Nerven, sagt er, schlechte Ernährung, zu wenig Bier und Meerrettich habe man dir gegeben, daher auch die Krankheit, aber es habe nichts auf sich, wird bald vergehen und gut werden. Sossimoff ist ein tüchtiger Kerl! Fängt glänzend an damit, daß er dich kuriert. Na, ich will Sie nicht aufhalten,“ wandte er sich wieder an den Kontordiener, „wollen Sie Ihre Wünsche erklären? Denk dir, Rodja, das ist schon der zweite Bote aus dem Kontor, mit dem ersten habe ich gesprochen. Wer war es, der vor Ihnen da war?“
„Ich glaube, es war vorgestern; ja es stimmt. Das war Alexei Ssemenowitsch, er ist auch aus unserem Kontor.“