„Schau-schau,“ dachte ich bei mir, „da haben wir’s nun: ‚Überlegung hat der Franzose nicht‘!“ – und ich sah ein bißchen schräg, so mit einem gewissen Mißtrauen (ich schäme mich, das gestehen zu müssen), zu meinem Schweizer hinüber. „Und du, Bruder, gehörst nicht auch du zu derselben Sorte und stellst dich nur so?“ blitzte es in meinem Kopf auf, aber nur einen Augenblick, ich versichere Sie. Es war unsinnig, aber was kann man dagegen tun; man denkt es eben unwillkürlich ...
Der Schweizer hatte mich nicht beschwindelt. In dem Hotel, in dem ich abstieg, schrieb man sogleich mein ganzes Signalement auf und schickte es an die entsprechende Stelle. Nach der Genauigkeit und Kleinlichkeit zu urteilen, mit der die Leute einen besichtigten und beschrieben, kann man annehmen, daß auch Ihr ganzes weiteres Tun und Treiben skrupulös beobachtet wird und sozusagen alle Ihre Schritte gezählt werden. Übrigens im ersten Hotel geschah das alles heimlich; doch im zweiten, im Hôtel des Empereurs, wo ich nach meiner Rückkehr aus London abstieg, da im ersten, im Hotel Coquillière, alle Zimmer besetzt waren, ging man weit offener mit mir um. Man war dort überhaupt und in allem viel patriarchalischer. Die Besitzer, ein schon älteres Ehepaar, waren nette Leute und verhielten sich sehr rücksichtsvoll und aufmerksam gegen ihre Hotelgäste. An demselben Tage, an dem ich bei ihnen einzog, bat mich die Besitzerin, als sie mich am Abend im Flur erblickte, auf einen Augenblick in das Zimmer, das ihr Geschäftsraum war. Ihr Mann war zugegen, doch augenscheinlich war sie diejenige, die alles leitete.
„Entschuldigen Sie, daß wir Sie aufhalten,“ begann sie sehr höflich, „aber ich brauche Ihre Angaben ...“
„Aber ich habe Ihnen doch schon alles angegeben ... meinen Paß haben Sie auch.“
„Das ja, aber votre état?“[19]
Dieses: votre état? – ist eine überaus verfängliche Sache und hat mir nirgendwo gefallen. In der Tat, was soll man da sagen? Reisender – das ist gar zu abstrakt. Homme de lettres[20] – da achtet einen keiner.
„Schreiben wir propriétaire,[21] was meinen Sie?“ schlug mir die Besitzerin vor. „Das wird am besten sein.“
„O ja, das wird am besten sein,“ pflichtete ihr der Mann bei.
Es wurde also geschrieben.
„Nun und jetzt: der Grund Ihres Aufenthaltes in Paris?“