Das Schwein tat wie ihm geheißen. Der Löwe kam, schnupperte, zog die Nase kraus und ging weg. Noch lange nachher rühmte sich das Schwein, daß der Löwe Angst bekommen habe und vom Kampfplatz weggelaufen sei.
Dies die Fabel. Natürlich, Löwen gibt es bei uns nicht, – das Klima ist nicht danach; und es wäre auch gar zu großartig. Doch setzen Sie an die Stelle des Löwen einen anständigen Menschen, der zu sein eines jeden Pflicht ist, und die Moral ist dieselbe.
Übrigens, ich will hier noch ein kleines Erlebnis erzählen.
Einmal, während eines Gesprächs mit dem seligen Herzen[97], äußerte ich mich mit größtem Beifall über eines seiner Werke, – über das Buch „Vom anderen Ufer“. Über dieses Buch hat sich zu meiner aufrichtigen Freude auch M. P. Pogodin[98] – in einem ausgezeichneten und interessanten Artikel über seine Zusammenkunft mit Herzen im Auslande – durchaus lobend geäußert. Dieses Buch ist in der Form eines Gesprächs zwischen dem Autor und seinem Widerpart geschrieben.
„Und besonders gefällt mir daran,“ bemerkte ich unter anderem, „daß Ihr Opponent gleichfalls sehr klug ist. Sie müssen doch zugeben, daß er Sie in vielen Fällen an die Wand drückt.“
„Ja, eben darin liegt ja der ganze Witz,“ sagte Herzen lachend. „Warten Sie, ich werde Ihnen eine Anekdote erzählen. Einmal, als ich in Petersburg war, schleppte mich Bjelinski zu sich, ich mußte mich hinsetzen und einen Artikel anhören, an dem er gerade mit Eifer schrieb: ‚Ein Gespräch zwischen Herrn A. und Herrn B.‘ (Der Artikel ist später in die Gesamtausgabe seiner Werke aufgenommen worden.) In diesem Artikel ist Herr A., natürlich Bjelinski selbst, als ein sehr kluger Mensch gezeichnet, Herr B. dagegen, sein Opponent, als etwas weniger klug. Als er geendet hatte, fragte er mich in fieberhafter Erwartung:
„Nun, was, wie findest du’s?“
„Tja, gut, ganz gut, und man sieht, daß du sehr klug bist, nur – was macht dir denn das für einen Spaß, mit einem solchen Dummkopf deine Zeit zu vergeuden?“
Bjelinski warf sich auf den Diwan, mit dem Gesicht aufs Kissen, und schrie, fast erstickend vor Lachen:
„Erschlagen! Erschlagen!“