Es war bereits elf Uhr, als der Fürst an der Wohnung des Generals die Klingel zog. Jepantschins wohnten im zweiten Stock, zwar möglichst wenig protzig, doch ihrer gesellschaftlichen Stellung durchaus entsprechend. Der Fürst, dem ein Diener in voller Livree öffnete, mußte ziemlich lange mit diesem Menschen reden, der ihn und sein Bündel zuerst recht kritisch musterte. Erst nach wiederholter und bestimmter Versicherung, daß der Besucher tatsächlich Fürst Myschkin sei und den General in einer wichtigen Angelegenheit zu sprechen wünsche, führte ihn der ungläubige Bediente in ein kleines Vorzimmer vor dem Empfangskabinett Seiner Exzellenz und übergab ihn dort gewissermaßen der Obhut eines anderen Dieners, der des Morgens in diesem Zimmer Dienst hatte und die zum Besuch erscheinenden Herren anmelden mußte. Dieser zweite Diener trug einen schwarzen Frack, mochte etwa vierzig Jahre zählen, zeigte eine sorgenvolle Miene und besaß als spezieller Anmeldediener des Generals Jepantschin ganz zweifellos höheren Wert.
„Warten Sie gefälligst im Empfangszimmer, das Bündel lassen Sie aber hier,“ sagte er jetzt, ohne sich zu beeilen, setzte sich darauf wichtig auf seinen Stuhl und betrachtete mit strenger Verwunderung den Fürsten, der, als wäre es ganz selbstverständlich, neben ihm auf einem anderen Stuhl Platz genommen hatte, während er das Bündel immer noch in der Hand trug.
„Wenn Sie erlauben,“ sagte der Fürst, „werde ich lieber hier bei Ihnen warten, was soll ich dort allein sitzen?“
„Im Vorzimmer ist nicht der richtige Platz für Sie; denn Sie sind ein Besucher, also sozusagen ein Gast. Wollen Sie den General selbst sprechen?“
Der Diener konnte sich offenbar nicht so schnell an den Gedanken, diesen Menschen anmelden zu müssen, gewöhnen und entschloß sich daher, vorsichtshalber nochmals zu fragen.
„Ja, ich habe die Absicht ...“ sagte der Fürst.
„Ich frage Sie nicht nach Ihren Absichten, – ich habe Sie nur anzumelden. Aber ohne den Sekretär werde ich Sie doch nicht anmelden können.“
Das Mißtrauen dieses Menschen schien noch zu wachsen: der Fürst glich aber auch gar zu wenig den täglichen Besuchern, und wenn der General auch recht oft zu einer festgesetzten Stunde sogar sehr verschiedenartige Leute empfing – vornehmlich in geschäftlichen Angelegenheiten –, so war der Kammerdiener trotz aller Anweisungen diesmal doch sehr im Zweifel darüber, was er tun sollte. Jedenfalls erschien ihm die Mittlerschaft des Sekretärs mit jeder Minute notwendiger.
„Ja, aber sind Sie auch wirklich ... aus dem Auslande gekommen?“ fragte er schließlich ganz unwillkürlich und verstummte sogleich etwas betreten.
Er hatte wahrscheinlich fragen wollen: ‚Sind Sie auch wirklich Fürst Myschkin?‘