„Sie sagten, Fürst, wenn ich mich nicht täusche, daß Sie den Brief von einem gewissen Ssalaskin erhalten hätten?“ fragte Ptizyn. „Ssalaskin ist in seiner Sphäre eine sehr bekannte Persönlichkeit, und wenn er Sie von einer Ihnen zugefallenen Erbschaft benachrichtigt, so können Sie ihm aufs Wort glauben. Ich kenne zufällig seine Handschrift, ich habe vor einiger Zeit geschäftlich mit ihm zu tun gehabt – wenn Sie mir den Brief zeigen wollten, könnte ich Ihnen wenigstens sagen, ob es derselbe Ssalaskin ist.“

„Wa–as? Was soll denn das bedeuten?“ fuhr nun der General auf, indem er verständnislos von einem zum andern sah. „Doch nicht tatsächlich eine Erbschaft?“

Alles blickte auf Ptizyn, der den Brief las. Die allgemeine Neugier hatte auf einmal eine neue Richtung bekommen. Ferdyschtschenko konnte nicht mehr stillsitzen: er sprang auf. Rogoshin schaute maßlos bestürzt bald auf den Fürsten, bald auf Ptizyn. Darja Alexejewna saß in der Erwartung wie auf Nadeln. Auch Lebedeff hielt es nicht aus und schlüpfte, gleichsam krumm und lahm geschlagen, herbei, um über Ptizyns Schulter wenigstens einen Blick auf den Brief werfen zu können, sah aber dabei ganz so aus, wie ein Mensch, der in jedem Augenblick einen Rippenstoß oder einen Schlag auf den Kopf erwartet.

XVI.

„Die Sache hat ihre Richtigkeit,“ erklärte endlich Ptizyn, indem er den Brief zusammenfaltete und dem Fürsten zurückgab. „Sie bekommen ohne alle Scherereien nach dem unantastbaren Testament Ihrer Tante ein sehr großes Vermögen.“

„Nicht möglich!“ rief der General wie aus der Pistole geschossen aus.

Die meisten vergaßen den Mund zu schließen.

Hierauf erzählte Ptizyn, sich vornehmlich an den General wendend, was Ssalaskin dem Fürsten im Brief mitgeteilt hatte. Der Inhalt war kurz folgender:

„Vor fünf Monaten war die Tante des Fürsten Lew Nikolajewitsch Myschkin, die ältere Schwester seiner Mutter gestorben. Sie war die Tochter des Moskauer Kaufmanns dritter Gilde, Papuschin, der nach einem Bankerott, wie es hieß, in Armut gestorben war. (Der Fürst hatte beide nie gekannt.) Doch der ältere leibliche Bruder dieses Papuschin war ein bekannter, sehr reicher Kaufmann. Vor etwa einem Jahre hatte er ganz plötzlich – in ein und demselben Monat – seine beiden Söhne verloren, worauf der Alte aus Gram ebenfalls erkrankt und gestorben war. Seine einzige noch lebende Verwandte und Erbin, jene Tochter seines armen Bruders, die zu der Zeit auch schon von den Ärzten aufgegeben war (sie starb bald darauf an der Wassersucht), hatte sogleich nach dem Fürsten zu forschen begonnen, hatte ihr Testament gemacht und Ssalaskin die Erledigung der Angelegenheit übertragen. Nach dem Empfang dieses Briefes von Ssalaskin hatte sich der Fürst dann entschlossen, selbst nach Rußland zurückzukehren ...“

„Ich kann Ihnen einstweilen nur sagen,“ schloß Ptizyn, sich an den Fürsten wendend, „daß Sie alles, was Ssalaskin Ihnen von der Unantastbarkeit Ihrer Erbschaft schreibt, ohne weiteres als bare Münze annehmen können. Dieser Brief ist ebensogut wie bares Geld in der Tasche. Ich gratuliere, Fürst! Vielleicht erben Sie auch so an anderthalb Millionen, vielleicht aber auch noch mehr. Papuschin war ein sehr reicher Kaufmann.“