Lebedeff, der soeben aus der Stadt zurückgekehrt war und gerade eintrat, machte, als er Keller die Banknote von fünfundzwanzig Rubeln in Empfang nehmen sah, ein finsteres Gesicht; doch Keller drückte sich schleunigst. Da begann Lebedeff sofort über ihn herzuziehen.
„Sie sind ungerecht,“ bemerkte schließlich der Fürst, „er hat tatsächlich aufrichtig bereut.“
„Ja, aber was will das sagen! Das ist ja doch ebenso wie ich gestern: ‚gemein, gemein bin ich‘ – wunderschön, aber das sind doch alles nur kurze Worte!“
„So waren es also nur Worte von Ihnen? Und ich dachte bereits ...“
„Na, ich will Ihnen, aber auch nur Ihnen allein, die Wahrheit sagen; denn Sie durchschauen ja doch jeden Menschen: leere Worte und Aufrichtigkeit, Lüge und Wahrheit – alles zusammen war’s, und jedes war echt, war wirklich echt! ‚Wahrheit und Aufrichtigkeit‘ bestehen bei mir in der aufrichtigen Reue – glauben Sie es oder glauben Sie es nicht, ich schwöre es jedenfalls – ‚leere Worte und Lüge‘ bestehen in dem teuflischen und immer gegenwärtigen Gedanken, wie ich auch hier den Menschen übers Ohr hauen, wie ich auch hier aus den Tränen der Reue Vorteil ziehen könnte! Bei Gott, so ist es! Einem anderen würde ich es nicht sagen – er würde mich auslachen; Sie aber Fürst, Sie denken menschlich.“
„Nun, sehen Sie: genau dasselbe, fast mit denselben Worten, hat mir auch Keller soeben gesagt, – und beide scheinen Sie sich damit gleichsam brüsten zu wollen! Sie setzen mich sogar damit wirklich in Erstaunen ... nur hat er aufrichtiger gesprochen als Sie; denn bei Ihnen ist es schon entschieden zu einer Art Handwerk geworden. Nun, genug, reden wir nicht davon, und machen Sie schnell ein anderes Gesicht, Lebedeff, und pressen Sie doch nicht immer so die Hand aufs Herz! Haben Sie mir nicht etwas zu sagen? Sie pflegen doch nie grundlos zu mir zu kommen ...“
Lebedeff begann sich zu krümmen, zu wenden und zu drehen und hinterm Ohr zu kratzen, sagte aber kein Wort.
„Ich habe Sie den ganzen Tag erwartet, um eine Frage an Sie stellen zu können; antworten Sie mir jetzt und sagen Sie mir doch wenigstens einmal im Leben sogleich die Wahrheit: Sind Sie an dem Vorfall mit dem Wagen gestern abend beteiligt oder nicht?“
Lebedeff begann sich wieder zu winden, fuhr sich mit dem Finger in den Kragen und zweimal unter der Gurgel hin und her, räusperte sich, kicherte, räusperte sich wieder, rieb sich die Hände, nieste sogar; doch zu sprechen entschloß er sich noch immer nicht.
„Ich sehe schon, daß Sie mitgewirkt haben.“