Auf der Terrasse war es schon ganz dunkel geworden, der Fürst konnte ihr Gesicht in diesem Augenblick nicht deutlich erkennen. Nach einer Minute, als er mit dem General die Datsche verlassen hatte, errötete er plötzlich über und über und preßte seine rechte Hand fest zusammen und an sich.

Offenbar hatten sie beide denselben Weg. Ungeachtet der späten Stunde wollte Iwan Fedorowitsch wohl noch irgendwohin gehen, um sich mit irgend jemand über den Vorfall auszusprechen. Er sprach unzusammenhängende Worte zum Fürsten, erregt, schnell, und erwähnte des öfteren Lisaweta Prokofjewna. Wenn der Fürst in diesem Augenblick etwas aufmerksam gewesen wäre, so hätte er vielleicht bemerkt und erraten, daß Iwan Fedorowitsch ihn unter anderem gern über etwas ausgefragt hätte, oder besser gesagt, eine offene und gerade Frage an ihn gestellt hätte, aber nicht wagte, an den betreffenden Punkt zu rühren, der dabei die Hauptsache war. Der Fürst war aber so zerstreut, daß er anfangs überhaupt nicht zugehört und gar nicht verstanden hatte, was der General zu ihm gesprochen, und als dieser ihm schließlich eine Frage stellte, mußte er zu seiner Schande gestehen, daß er diese Frage nicht beantworten konnte, weil er sie nicht begriff.

Der General zuckte die Achseln.

„Sonderbare Menschen seid ihr doch alle, ich sage dir, daß ich die Ideen und die Aufregung Lisaweta Prokofjewnas überhaupt nicht verstehen kann. Sie ist außer sich, weint und behauptet, daß man uns beleidigt und beschimpft habe. Wer? Wie? Womit? Wann und warum? Ich gebe zu, daß ich an vielem schuld bin ... doch die Ausfälle ... dieses teuflischen Weibes, das sich dazu noch unschicklich beträgt, gehen wirklich etwas zu weit und müssen von der Polizei ... Ich habe die Absicht, mit einer maßgebenden Persönlichkeit darüber Rücksprache zu nehmen. Man könnte alles im Guten, ruhig und liebenswürdig ohne jeglichen Skandal abmachen. Ich selbst bin auch durchaus der Meinung, daß die Zukunft noch viele Ereignisse in ihrem Schoße birgt, und daß noch vieles unaufgeklärt ist. Oh, da steckt noch eine Intrige dahinter, und wenn man hier nichts davon versteht, so versteht man dort noch weniger. Niemand weiß etwas, niemand hat was gehört; du hast nichts gehört, der hat nichts gehört, der fünfte hat auch noch nichts gehört, ja, so bitte ich dich, wer hat denn eigentlich was gehört? Wie soll man da nicht den Verstand verlieren, zur Hälfte scheinen es Halluzinationen, etwas, was überhaupt nicht vorhanden ist ...“

„Sie ist wahnsinnig,“ murmelte der Fürst schmerzlich, sich der Vorgänge erinnernd.

„Wenn du davon redest ... Diese Idee hatte ich auch zuerst und beruhigte mich dabei. Doch jetzt sehe ich, daß die anderen recht haben und glaube nicht an ihren Wahnsinn. Nehmen wir an, sie sei wirklich eine irre Frau, so ist sie doch auch wieder sehr schlau und durchaus nicht wahnsinnig. Die Geschichte mit Hauptmann Alexejewitsch beweist das. Ihrerseits steckt da eine sehr jesuitische Absicht dahinter.“

„Was für ein Hauptmann Alexejewitsch?“

„Ach, mein Gott, Lew Nikolajewitsch, du hast wieder nichts gehört! Davon habe ich dir doch gleich zu Anfang erzählt, von Hauptmann Alexejewitsch. Deshalb bin ich doch heute so lange in der Stadt geblieben, zittere noch jetzt an Händen und Füßen. Hauptmann a. D. Alexejewitsch Radomskij, der Onkel von Jewgenij Pawlowitsch ...“

„Nun, was ist mit ihm?“ rief der Fürst.

„Hat sich erschossen, heute morgen um sieben Uhr. Ein angesehener Mann von fünfundsiebzig Jahren, Epikuräer, – und ganz so, wie sie es gesagt hat – Kronsgelder sind verschwunden, eine bedeutende Summe!“