„Also auch Sie reden von einem Duell!“ lachte plötzlich der Fürst laut auf, zu Kellers größter Verwunderung, und hörte gar nicht auf zu lachen, so daß Keller, der die ganze Zeit über wie auf Nadeln gestanden, sich fast beleidigt fühlte, als er dieses herzliche Lachen des Fürsten hörte.

„Sie haben ihn doch, Fürst, vorhin an den Armen gepackt, öffentlich vor allem Publikum. Ein Mann von Ehre wird sich das nicht gefallen lassen.“

„Und er hat mich vor die Brust gestoßen!“ rief der Fürst lachend. „Warum sollen wir uns denn schlagen? Ich werde ihn um Entschuldigung bitten, das ist alles. Nun, und wenn wir uns schon schießen sollen, meinetwegen! Möge er schießen, ich werde auch schießen. Ha, ha! Ich verstehe jetzt einen Revolver zu laden! Wissen Sie, man hat es mir gesagt, wie man eine Pistole lädt! Verstehen Sie, eine Pistole zu laden, Keller? Zuerst muß man Pulver kaufen, Pistolenpulver, nicht zu feucht und nicht zu grob – nicht etwa Pulver, womit man Kanonen lädt. Man muß zuerst das Pulver hineinschütten, dann stopft man Filz von einer Türpolsterung in die Mündung und dann steckt man die Kugel hinein – nicht etwa die Kugel vor dem Pulver, sonst geht’s nicht los! Ha, ha! Ist das nicht eine prächtige Regel, lieber Keller? Ach, Keller, wissen Sie, daß ich Sie sofort umarmen und abküssen werde. Ha, ha, ha! Woher sind Sie eigentlich vorhin so plötzlich aufgetaucht? Kommen Sie nächstens zu mir: Champagner trinken! Wir wollen uns alle betrinken! Wissen Sie, daß ich zwölf Flaschen Champagner besitze? Lebedeff hat sie im Keller, er verkaufte sie mir ‚zufällig‘ vor drei Tagen. Ich will die ganze Gesellschaft dazu einladen! Werden Sie heute nacht schlafen gehen?“

„Natürlich, wie immer, Fürst.“

„Nun, dann, träumen Sie süß! Ha, ha!“

Der Fürst ging über die Straße in den Park hinein. Keller blieb ganz verdutzt und nachdenklich stehen. Er hatte den Fürsten noch nie in einer so sonderbaren Stimmung angetroffen und hätte sie niemals bei ihm für möglich gehalten.

„Er hat wohl Fieber, auf einen nervösen Menschen muß das alles auch sehr stark einwirken, freilich! Angst scheint er nicht zu haben. Sieh mal an, solche haben also keine Angst, bei Gott!“ dachte Keller bei sich. „Hm! Champagner! Eine bemerkenswerte Aufforderung, wirklich. Zwölf Flaschen, ein ganzes Dutzend; eine anständige Batterie. Doch, ich möchte wetten, daß Lebedeff diesen Champagner irgendwie unter der Hand gekauft hat. Hm! ... er ist eigentlich sehr nett, dieser Fürst; wirklich, ich liebe solche ... doch da ist jetzt keine Zeit zu verlieren und ... wenn schon Champagner, dann ...“

Daß der Fürst wie im Fieber war, darin hatte Keller recht.

Lange, traumverloren, irrte der Fürst im dunklen Park umher, bis er plötzlich wahrnahm, daß er sich in einer Allee befand. Er konnte sich nicht entsinnen, wenn er es auch gewollt hätte, was er diese ganze Stunde im Park gedacht hatte. Doch ertappte er sich jetzt auf einem Gedanken, über den er plötzlich laut auflachen mußte, obgleich eigentlich gar kein Grund dazu vorhanden war. Es kam ihm in den Sinn, daß der Gedanke an das Duell nicht nur im Kopfe Kellers entsprungen war, sondern auch in ihrem Kopfe, und daß sie die ganze Pistolengeschichte durchaus nicht zufällig erzählt hatte. „Bah!“ Plötzlich kam ihm eine andere Idee. „Vorhin, als sie auf die Terrasse trat und ich dort in der Ecke saß, tat sie furchtbar verwundert, mich dort anzutreffen, und ... lachte – und sprach von Tee. In derselben Zeit hatte sie aber schon das Zettelchen in der Hand gehabt: also wußte sie doch, daß ich auf der Terrasse war! Warum war sie denn so verwundert darüber? Ha, ha, ha!“

Er zog das Zettelchen aus seiner Tasche und preßte es an seine Lippen, doch verstummte er plötzlich und wurde nachdenklich.