„Vielleicht ist es langweilig?“ fügte ein dritter hinzu.

„Was ist denn eigentlich los?“ erkundigten sich die übrigen.

Die erschrockene Bewegung des Fürsten machte auf Hippolyt einen starken Eindruck.

„Also ... nicht lesen?“ stammelte er mit einem verzerrten Lächeln auf seinen blutleeren Lippen. „Nicht lesen?“ wandte er sich an alle, an das ganze Publikum und blickte jedem einzeln ins Gesicht. „Sie fürchten sich?“ wandte er sich wieder an den Fürsten.

„Weshalb?“ fragte dieser ganz verwundert.

„Hat jemand ein Zwanzigkopekenstück?“ Hippolyt sprang plötzlich vom Stuhle auf, als hätte er einen Stoß bekommen, „oder irgendeine Münze?“

„Hier!“ Lebedeff reichte ihm sofort eine. Ihm kam der Gedanke, daß der kranke Hippolyt den Verstand verloren habe.

„Wjera Lukjanowna!“ wandte sich Hippolyt hastig an das junge Mädchen, „nehmen Sie, werfen Sie es auf den Tisch: Adler oder Aufschrift? Adler – heißt lesen!“

Wjera sah erschrocken auf die Münze, auf Hippolyt und auf ihren Vater. Darauf warf sie das Geldstück auf den Tisch mit der Überzeugung, daß sie es gar nicht zu sehen brauchte. Der Adler lag oben.

„Lesen!“ flüsterte Hippolyt, als hätte wirklich das Schicksal gesprochen. Er hätte nicht stärker erblassen können, selbst wenn ihm das Todesurteil vorgelesen worden wäre. „Übrigens,“ fuhr er auf, nach einer halben Minute Schweigen. „Was soll das? Habe ich nicht soeben mein Los geworfen?“ wandte er sich von neuem an seine Umgebung, mit derselben fragenden Aufrichtigkeit. „Das ist ja wirklich ein sonderbarer, ein psychologischer Zug!“ rief er plötzlich und wandte sich mit aufrichtiger Verwunderung diesmal wieder an den Fürsten. „Das ist ... das ist ja ein ganz unfaßbares Moment, Fürst!“ bestätigte er sich den Gedanken selbst, und als käme er jetzt wieder ganz zu sich. „Das schreiben Sie sich auf, Fürst, denken Sie daran, Sie sammeln doch Material bezüglich der Todesstrafe ... man sagte es mir, ha, ha! O mein Gott, welch eine sinnlose Dummheit!“ Er fiel auf den Diwan zurück, stützte seine beiden Ellenbogen auf den Tisch und legte seinen Kopf in beide Hände. „Das ist ja geradezu schandbar! ... Zum Teufel, was geht es mich an, wenn es schandbar ist!“ er erhob sofort wieder seinen Kopf. „Meine Herren! meine Herren, ich öffne jetzt das Paket!“ entschied er mit plötzlicher Entschlossenheit. „Ich ... ich zwinge übrigens niemanden, zuzuhören! ...“