„Rogoshin? Nun nein, das geht denn doch nicht. Ich würde Ihnen väterlich, oder wenn Sie wollen, freundschaftlich raten, diesen Rogoshin ganz zu vergessen. Und überhaupt würde ich Ihnen raten, sich mehr der Familie anzuschließen, in die Sie eintreten.“
„Da Sie nun einmal so gütig zu mir sind,“ wollte der Fürst von seiner besonderen Angelegenheit beginnen, „so erlauben Sie mir, bitte, Sie in einer für mich sehr wichtigen Angelegenheit um Rat zu fragen. Ich bin vor nicht langer Zeit durch einen Bevollmächtigten benachrichtigt worden ...“
„Nein, jetzt müssen Sie mich schon entschuldigen,“ unterbrach ihn der General, „ich habe keinen Augenblick mehr zu verlieren. Ich werde Sie noch bei Lisaweta Prokofjewna anmelden: wünscht sie, Sie sogleich zu empfangen – ich werde mich bemühen, Sie dementsprechend zu empfehlen –, so rate ich Ihnen, die Gelegenheit zu benutzen und ihr zu gefallen, denn Lisaweta Prokofjewna kann sehr viel für Sie tun. Und dazu sind Sie ja ihr – Namensvetter. Wünscht sie es dagegen nicht, so nehmen Sie es ihr nicht übel und sprechen Sie einmal zu einer anderen Stunde vor. Du, Ganjä, sieh mal inzwischen hier diese Rechnungen durch, wir konnten gestern, Fedossejeff und ich, nicht damit ins reine kommen. Die darf man nicht vergessen, auch noch hinzuzufügen ...“
Der General verließ bereits das Zimmer, und so kam denn der Fürst doch nicht dazu, mit ihm über die überaus wichtige Angelegenheit zu reden, von der er zu sprechen begonnen hatte. Ganjä zündete sich eine Zigarette an, worauf er auch dem Fürsten sein Etui reichte. Der Fürst nahm eine Zigarette, knüpfte aber, da er nicht stören wollte, kein Gespräch an, sondern begann, das Zimmer zu betrachten. Ganjä jedoch schenkte dem mit Zahlen bedeckten Blatt Papier, auf das ihn der General aufmerksam gemacht hatte, kaum einen Blick. Er war augenscheinlich sehr zerstreut: sein Lächeln, seine bei aller Nachdenklichkeit auffallende Zerfahrenheit erschienen dem Fürsten noch unangenehmer, seitdem sie beide allein zurückgeblieben waren. Plötzlich trat Ganjä an den Fürsten heran. Dieser stand wieder über die Photographie Nastassjas Filippownas gebeugt und betrachtete sie.
„Also Ihnen gefällt eine solche Frau, Fürst?“ fragte er ganz unvermittelt, während er ihn durchdringend ansah, als hätte er irgendeine außergewöhnliche Absicht gehabt.
„Ein wunderbares Gesicht!“ sagte der Fürst, „und ich bin überzeugt, daß ihr Schicksal kein gewöhnliches ist. Das Gesicht ist an sich fast heiter, aber sie muß doch unglaublich gelitten haben, nicht? Das sieht man den Augen an, sehen Sie diese beiden hervorstehenden Knochen bei den Augen, hier, wo die Wangen beginnen. Es ist ein stolzes Gesicht, unglaublich stolz, nur weiß ich nicht, ob sie auch gut ist. Ach, wenn sie es doch wäre! Dann wäre alles gerettet!“
„Würden Sie eine solche Frau heiraten?“ fragte Ganjä plötzlich ganz unvermittelt, ohne seinen flammenden Blick von ihm abzuwenden.
„Ich kann niemals heiraten, ich bin nicht gesund,“ sagte der Fürst.
„Aber würde Rogoshin sie heiraten? Was meinen Sie?“
„Oh, heiraten würde der sie, glaube ich, wenn nicht heute, dann morgen. Er würde sie heiraten, jawohl, nach einer Woche aber – würde er sie ermorden.“