„Ich würde mich über nichts wundern, sie ist ja wahnsinnig.“
„Hier sind diese Briefe.“ Aglaja zog aus ihrer Tasche drei Briefe in drei Kuverts hervor und warf sie dem Fürsten hin. „Schon seit einer ganzen Woche fleht sie mich an, beredet, beschwört sie mich, Sie zu heiraten. Sie ist ... nun ja, sie ist klug, wenn sie auch wahnsinnig ist, und Sie haben recht, wenn Sie sagen, daß sie viel klüger sei als ich ... sie schreibt, daß sie in mich verliebt sei, daß sie jeden Tag eine Gelegenheit suche, um mich, wenn auch nur von ferne, zu sehen. Sie schreibt, daß Sie mich lieben, sie wisse es ganz genau, habe es schon längst bemerkt, und Sie hätten dort mit ihr auch über mich gesprochen. Sie will Sie glücklich sehen; sie ist überzeugt, daß nur ich Ihr Glück ausmachen könne ... Sie schreibt so sonderbar ... so ungeheuerlich ... Ich habe ihre Briefe keinem Menschen gezeigt, ich habe Sie erwartet; wissen Sie, was das alles zu bedeuten hat? Erraten Sie nichts?“
„Das ist Wahnsinn, ein Beweis ihres Irrsinns,“ sagte der Fürst mit bebenden Lippen.
„Weinen Sie nicht gar?“
„Nein, Aglaja, nein, ich weine nicht.“ Er blickte sie an.
„Was soll ich nun hier tun? Wozu würden Sie mir raten? Ich kann doch nicht ewig diese Briefe empfangen!“
„O, lassen Sie sie, ich beschwöre Sie!“ rief der Fürst. „Und was sollten Sie auch in dieser Finsternis ... ich werde alles tun, damit sie keine Briefe mehr an Sie schreibt.“
„Wenn Sie das tun, dann sind Sie ein herzloser Mensch!“ rief Aglaja. „Oder sehen Sie denn wirklich nicht, daß sie nicht in mich verliebt ist, sondern in Sie, daß sie nur Sie allein liebt! Sollte Ihnen wirklich gerade dieses entgangen sein, während Sie doch alles andere bemerkt haben? Wissen Sie, was diese Briefe bedeuten? – Eifersucht bedeuten sie! Es ist sogar noch mehr als Eifersucht! Sie wird ... Glauben Sie, daß sie Rogoshin wirklich heiraten wird, wie sie es hier in diesen Briefen schreibt? Töten wird sie sich am nächsten Tage nach unserer Hochzeit!“
Der Fürst fuhr zusammen. Sein Herz stand still. Doch verwundert sah er Aglaja an und plötzlich begriff er, daß dieses Kind längst Weib war.
„Aglaja, um ihr die Ruhe wiederzugeben und sie glücklich zu machen, würde ich mein Leben hingeben, aber ... jetzt kann ich sie nicht mehr lieben und das weiß sie!“