„Mit mir zusammen waren’s vier – in zwei nebeneinander liegenden Zimmern: ich, der General, Keller und Herr Ferdyschtschenko. Also einer von uns vieren.“

„Das heißt einer von dreien; aber wer denn?“

„Der Ordnung und Gewissenhaftigkeit halber habe ich auch mich mitgezählt, aber Sie werden doch zugeben, Fürst, daß ich mich nicht selbst bestohlen haben werde, obschon auch solche Fälle in der Welt vorgekommen sind ...“

„Ach, Lebedeff, wie langweilig Sie sind!“ unterbrach ihn der Fürst ungeduldig. „So bleiben Sie doch bei der Sache ...“

„Also; es bleiben drei. Erstens Herr Keller – ein äußerst unbeständiger Mensch, ein Mensch, dem das Wesen nüchterner Tage schon längst in nebelhafte Ferne entrückt ist, und ein Mensch, der in gewissen Dingen höchst liberale Ansichten hat, wollte sagen in Taschendingen, im übrigen jedoch ein Mensch mit sozusagen mehr alt-ritterlichen Neigungen als mit liberalen. Zuerst schlief er im Zimmer des Kranken und krabbelte erst nachher zu uns herüber, und zwar mit der Motivierung, daß auf dem Fußboden zu schlafen nichts weniger als weich, respektive angenehm sei.“

„Und Sie haben ihn im Verdacht?“

„Gehabt. Als ich um acht erwachte und wie’n Besessener aufgesprungen war, griff ich mit der Hand an die Stirn und weckte sogleich den General, der noch den Schlaf des Gerechten schlief. Nachdem wir dann das seltsame Verschwinden Herrn Ferdyschtschenkos wohl erwogen hatten, was wiederum manchen Argwohn in uns erweckt hatte, beschlossen wir sogleich, Herrn Keller näher zu untersuchen, da dieser noch nicht verschwunden war, sondern wie ... wie festgenagelt dalag. Wir verrichteten unsere Sache mit aller Gründlichkeit: in seinen Taschen fand sich aber auch keine einzige Kopeke. Dafür entdeckten wir ein Schnupftuch, ein blaukariertes, baumwollenes, in einem Zustande, über den man besser Schweigen wahrt. Ferner beförderten wir einen Liebesbrief zutage, von einem Stubenmädchen, das Geld verlangt und mit Verschiedenem droht; und schließlich noch Fetzen des bekannten Feuilletons. Der General entschied, daß er unschuldig sei. Zur Vergewisserung der Richtigkeit des Urteiles weckten wir ihn auf, was durchaus nicht so einfach war und uns erst nach längeren Bemühungen gelang: er begriff aber kaum, um was es sich handelte, tat nur den Mund auf, stierte vor sich hin, mit einem Gesichtsausdruck: blödsinnig und unschuldig, sogar dumm, kann man sagen, – nein, der war es nicht!“

„Nun, das freut mich!“ atmete der Fürst erfreut auf. „Ich fürchtete wirklich für ihn!“

„Sie fürchteten? ... Dann hatten Sie also Ursache dazu?“ forschte Lebedeff blinzelnd.

„O nein, das nicht, ich meinte nur ...“ Der Fürst stockte. „Ich habe mich da sehr dumm ausgedrückt und unüberlegt ... Seien Sie so gut, Lebedeff, und erzählen Sie es keinem ...“