„Ich kann ihn nicht leiden, ich verachte ihn. Ja, ja, ich verachte ihn!“ schrie Ganjä außer sich vor Wut. „Und das werde ich ihm ins Gesicht sagen, und wenn er auch im gleichen Augenblick in seinen Kissen sterben sollte! Wenn du nur seine Beichte gelesen hättest ... Gott, welch eine Naivität der Gemeinheit! Oh, mit was für einem Vergnügen hätte ich ihn damals durchgeprügelt, nur, um ihn gründlich in Erstaunen zu setzen. Jetzt möchte er sich an allen rächen, dafür, daß es ihm nicht gelingen konnte, uns ... Doch, was ist das für ein Lärm! Was soll das bedeuten? Ich werde es nicht mehr dulden ... Ptizyn!“ rief er dem ins Zimmer tretenden Ptizyn entgegen. „Was ist denn das? Soweit ist es also bei uns schon gekommen? Das ist ... das ist ...“
Der Lärm kam näher und näher, die Tür öffnete sich plötzlich und – der alte Iwolgin stürzte sich wütend, gereizt, außer sich auf Ptizyn. Dem General folgten Nina Alexandrowna, Koljä und ganz zuletzt Hippolyt.
II.
Hippolyt wohnte bereits seit fünf Tagen im Hause Ptizyns. Das hatte sich so ganz von selbst gemacht, ohne besondere Erklärungen zwischen Hippolyt und dem Fürsten. Beide schieden als Freunde voneinander. Gawrila Ardalionytsch, der sich an dem Abend so feindselig gegen Hippolyt verhalten hatte, kam schon am dritten Tage zu Hippolyt, um ihn zu Ptizyns überzuführen, wahrscheinlich mit einer besonderen Absicht. Auch Rogoshin besuchte den Kranken. Dem Fürsten schien es, daß es für den „armen Knaben“ am besten wäre, dieses Haus zu verlassen. Hippolyt teilte ihm mit, daß er zu Ptizyns wolle, da Ptizyn so gut sei und ihm einen Winkel gebe, doch vermied er zu sagen, daß er zu Ganjä ginge, denn Ganjä war es eigentlich gewesen, der darauf bestanden hatte, daß man ihn ins Haus nahm. Ganjä hatte das wohl bemerkt und fühlte sich darob sehr gekränkt.
Er hatte recht, als er zu seiner Schwester die Bemerkung machte, der Kranke habe sich erholt. In der Tat, Hippolyt sah besser aus, was man auf den ersten Blick bemerkte. Er folgte den anderen, ohne sich zu beeilen, ins Zimmer, auf seinen Lippen lag ein spöttisches, böses Lächeln. Nina Alexandrowna schien ganz erschrocken zu sein. Sie hatte sich in diesem halben Jahr sehr verändert. Seit sie ihre Tochter verheiratet hatte und bei ihr lebte, mischte sie sich überhaupt nicht mehr in die Angelegenheiten ihrer Kinder. Koljä war besorgt und offenbar sehr unwillig über irgend etwas, doch schien er „die Grillen des Generals“, wie er sich ausdrückte, nicht zu begreifen, denn er wußte ja nicht den Hauptgrund der Unruhe im Hause ... Es war ihm klar, daß der Vater sich in jeder Hinsicht so verändert hatte, als wäre er nicht mehr derselbe Mensch. Es beunruhigte ihn geradezu, daß der Alte bereits seit drei Tagen nichts mehr getrunken. Er wußte, daß der Vater sich sogar mit Lebedeff und dem Fürsten überworfen hatte. Koljä selbst war soeben mit einem Liter Schnaps zurückgekehrt, den er für sein eigenes Taschengeld gekauft.
„Lassen Sie ihn trinken, Mama,“ hatte er schon oben seiner Mutter zugeredet, „wirklich, lassen Sie ihn lieber trinken. Seit drei Tagen schon hat er nichts getrunken. Er muß einen Kummer haben. Darum wäre es besser, er trinkt etwas; ich habe ihm auch dorthin ...“
Der General stieß die Tür weit auf und stand auf der Schwelle, zitternd vor Erregung und Unwillen.
„Mein werter Herr!“ donnerte er Ptizyn entgegen. „Wenn Sie wirklich beschlossen haben, diesem Milchbart und Atheisten einen ehrwürdigen Greis, Ihren Vater, oder wenigstens den Vater Ihrer Frau, und einen Mann, der seinem Herrscher treu gedient hat, zu opfern, so wird mein Fuß dieses Haus nicht mehr betreten. Wählen Sie, mein Herr, wählen Sie sofort, ihn oder mich ... diesen dort, diesen Bohrer! Ja, Bohrer! Ich habe es nur so ausgesprochen, doch es stimmt, diesen – Bohrer! Denn er bohrt in meiner Seele, und ohne jede Achtung ... wie mit einer Schraube!“
„Warum nicht wie mit einem Korkzieher?“ fragte ihn spöttisch Hippolyt.
„Nein, nicht Korkzieher, denn ich bin ein General und keine Flasche. Ich besitze Auszeichnungen, Orden ... was besitzt denn du? Er oder ich. Entscheiden Sie sich, mein Herr, aber sofort, sofort!“ schrie er wieder Ptizyn an.