„Doch alles das würde nichts bedeuten,“ unterbrach ihn schnell der General, „die Hauptsache ist nicht dies, sondern etwas anderes, viel Wichtigeres. Ich habe mich entschlossen, mich Ihnen zu erklären, als einem Menschen, dessen Aufrichtigkeit und Ehrenhaftigkeit ich kenne, und an die ich glaube bis ... bis ... Sie wundern sich doch nicht über meine Worte, Fürst?“
Der Fürst hörte seinem Gast, wenn auch nicht besonders erstaunt, so doch mit großer Aufrichtigkeit und Neugier zu. Der General war bleich, seine Lippen zitterten leicht und seine Hände schienen keinen ruhigen Platz finden zu können. Er saß kaum einen Augenblick und schon erhob er sich wieder, um sich dann abermals hinzusetzen. Augenscheinlich schenkte er seiner Haltung überhaupt keine Beachtung. Auf dem Tisch lagen Bücher: er nahm ein Buch, schlug es auf, schlug es wieder zu, legte es auf den Tisch zurück und griff nach einem andern Buch, das er nicht aufschlug, aber in die rechte Hand nahm und damit in der Luft herumfuchtelte.
„Genug!“ rief er plötzlich. „Ich sehe, daß ich Sie nur belästige.“
„Aber durchaus nicht, ich bitte Sie, ich höre Ihnen im Gegenteil gerne zu und bemühe mich zu erraten ...“
„Fürst! ich wünsche geachtet zu werden ... vor mir selbst und meinen ... Rechten Achtung zu haben.“
„Ein Mensch, der solche Wünsche hat, ist schon der Achtung wert.“
Der Fürst sagte diese Worte, überzeugt, daß sie eine gute Wirkung ausüben würden. Er hatte instinktiv erraten, daß eine vielleicht leere, doch angenehme Phrase, zur rechten Zeit gesagt, die Seele eines solchen Menschen, eines Menschen in der Lage des Generals, beruhigen und erleichtern müsse. Vor allen Dingen sah er ein, daß er diesem Gast das Herz erleichtern müsse. Das war die Aufgabe.
Die Phrase schmeichelte, rührte und gefiel denn auch sehr: der General veränderte sofort seinen Ton, wurde überschwenglich und verfiel in feierlich lange Erläuterungen. Doch wie der Fürst sich auch anstrengen mochte, wie aufmerksam er ihm auch zuhörte, er konnte buchstäblich nicht verstehen, um was es sich handelte. Der General sprach zehn Minuten lang begeistert, schnell, kaum daß er die auf ihn einstürmende Menge der Gedanken aussprechen konnte – in seinen Augen glänzten sogar Tränen – und doch waren es nur Phrasen ohne Anfang und Ende, ganz unerwartete Worte, überraschende Gedanken, alles mögliche durcheinander und übereinander geworfen.
„Genug! Sie haben mich verstanden, und ich bin beruhigt,“ schloß er plötzlich, sich von neuem erhebend. „Ein Herz wie das Ihre kann nicht umhin, einen Leidenden zu verstehen. Fürst, Sie sind so edel wie ein Ideal! Was sind die anderen im Vergleich zu Ihnen? Doch Sie sind noch jung, und deshalb segne ich Sie. Aber der Endzweck meines Kommens war, – Sie zu bitten, mir Tag, Ort und Stunde anzugeben, wann und wo ich mit Ihnen eine wichtige Angelegenheit besprechen könnte. Ich suche nichts als Freundschaft und Herz, Fürst.“
„Aber weshalb nicht jetzt gleich? Ich bin gern bereit ...“